Was ist ein Fetofetales Transfusionssyndrom?

Bevor Sie lesen möchte ich noch betonen: Es geht nicht um normale Gewichtsunterschiede der der Zwillinge.

Mir liegt es fern Angst zu verbreiten, aber ich möchte Sie natürlich informieren. Ich habe einige Eltern mit dieser Problematik begleitet. Zudem auch schon in Hamburg erfolgreich behandelte Zwillinge. In meinem Text hier ist die rein medizinische Seite beleuchtet. Gerade weil ich sehr genau weiss, wie belastend alles ist, kann ich es nur in dieser für mich untypischen nüchternen Form erklären.
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Das Fetofetale Transfusionssyndrom ist ein Krankheitsbild der PlazentaPlazenta
ein spezielles Organ für die Schwangerschaft
.

Es entsteht bei eineiigen Zwillingen während der Schwangerschaft, und zwar wenn zu viel Blut durch verbindende Gefäße in der gemeinsamen Plazenta von einem Kind zum anderen fließt. Auf diese Weise bekommt ein Zwilling, der sog. Rezipient, zuviel Blut, was zu einer Belastung des Herz-Kreislauf Systems führt und Tod durch Herzversagen zur Folge haben kann. Der andere Zwilling, der sog. Donor, bekommt wiederum nicht genug Blut und kann an der Unterversorgung sterben.

Der Rezipient produziert überdurchschnittlich viel Harn und Fruchtwasser, welches erhebliche Beschwerden und Druck auf den Muttermund ausübt und somit zu einer Fehl- oder Frühgeburt führen kann. Der Donor hat kaum Harnproduktion und daher fast kein Fruchtwasser in seiner Fruchtblase.

Die Zwillinge selbst sind vollkommen normal, die Probleme liegen in der PlazentaPlazenta
ein spezielles Organ für die Schwangerschaft
und diese führen dann häufig zu Fehlentwicklungen.

Das Transfusionssyndrom betrifft nur eineiige Zwillinge mit einer! gemeinsamen PlazentaPlazenta
ein spezielles Organ für die Schwangerschaft
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Es wird vermutet, daß der Grundstein in dem Moment gelegt wird, in dem sich das befruchtete Ei teilt und die Plazentastruktur mit ihren Blutgefäßverzweigungen festgelegt wird. Bekannt ist, dass es umso größere Probleme gibt, je später sich das befruchtete Ei teilt. Fast alle Fälle kommen bei eineiigen Zwillingen mit zwei Fruchtblasen, aber einer gemeinsamen PlazentaPlazenta
ein spezielles Organ für die Schwangerschaft
vor. Man geht davon aus, dass bei 15% der eineiigen Zwillingsschwangerschaften mit einer gemeinsamen PlazentaPlazenta
ein spezielles Organ für die Schwangerschaft
ein Fetofetales Transfusionssyndrom vorliegt, das ist etwa eine von 2700 Schwangerschaften.

Was passiert genau?

Der Rezipient bekommt zu viel Blut. Einige der Blutgefäße des anderen Zwillings teilen sich wie Wegegabeln. Sie überqueren dann die gemeinsame PlazentaPlazenta
ein spezielles Organ für die Schwangerschaft
hinüber zum Rezipienten und er bekommt so sein eigenes Blut und zusätzlich noch Blut vom anderen Zwilling.

  • Aufgrund der zusätzlichen Blutlast muss das Herz hart arbeiten, um es durch den Körper und die PlazentaPlazenta
    ein spezielles Organ für die Schwangerschaft
    zu pumpen. Das wiederum führt zu einer starken Belastung sowie Ermüdung und er kann dann an Herzversagen sterben.
  • Er uriniert aufgrund des hohen Blutvolumens und -druckes sehr viel und produziert so eine große Menge Fruchtwasser. Dieses ist auch eines der frühen Zeichen für das Vorliegen eines Fetofetalen Transfusionssyndroms und kann bei einer Ultraschalluntersuchung erkannt werden. Sichtbar ist die prallgefüllte Harnblase des Rezipienten und die deutliche Vermehrung der Fruchtwassermenge.
  • Er wächst meist schneller als der andere Zwilling.

 Für den Donor

Er verliert Blutvolumen über die verbindenden Blutgefäße in Richtung Rezipient und erhält über eventuell vorhandene andere Blutgefäße nur wenig Blut zurück. Seine Entwicklung unterscheidet sich deutlich von der des Rezipienten:

  • Der Donor leidet an einer Unterversorgung von Blut, an deren Folgen er sterben kann, wenn das Fetofetale Transfusionssyndrom nicht behandelt wird.
  • Der Donor ist meist der kleinere Zwilling.
  • Oftmals nennt man ihn auch "Stuck Twin", weil er kaum Fruchtwasser in seiner Fruchtblase hat und vom vermehrten Fruchtwasser des anderen an die Wand gedrückt wird. Dieses liegt an der geringeren Menge Blut, die er bekommt und wegen der er kaum uriniert. Die Harnblase ist im UltraschallUltraschall
    Spezielle Form der Sonographie, bei der eine schmalle Sonde in die Scheide eingeführt wird, um die inneren Genitalorgane besser darstellen zu können. Die mit dieser Methode gewonnenen Bilder zeichnen sich meist durch eine deutlich bessere Qualität aus, so daß Erkrankungen oft früher und eindeutiger erfaßt werden.
    daher nur schwach oder überhaupt nicht gefüllt.

Wenn ein Fetofetales Transfusionssyndrom in der Mitte der Schwangerschaft festgestellt wird und eine Behandlung ausbleibt, liegt die Wahrscheinlichkeit, dss die Kinder nicht überleben werden bei 80% bis 100% insgesamt, bedingt durch Fehlgeburt oder intra-uterinen Tod der Kinder.

Was sind Zeichen für das Vorliegen eines Fetofetalen Transfusionssyndroms?

Eine für den Zeitpunkt der Schwangerschaft überdurchschnittlich große Gebärmutter und damit zusammenhängende Beschwerden wie Atemnot, Spannungsgefühl oder Rückenschmerzen etc.
Ultraschallbilder, die bei einer gemeinsamen PlazentaPlazenta
ein spezielles Organ für die Schwangerschaft
und gleichgeschlechtlichen Zwillingen die folgenden Merkmale zeigen:

  • Deutlich zu viel Fruchtwasser in einer Fruchtblase und eine volle Harnblase dieses Kindes.
  • Deutlich zu wenig Fruchtwasser in der anderen Fruchtblase und eine leere Harnblase dieses Kindes.
  • Anzeichen für Herzprobleme bei einem Zwilling (event. Wasseransammlung im Körper).
  • Unterschiede im Größenwachstum der Zwillinge.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Fruchtwasserentlastung

Wiederholte Amniozentese, in diesem Fall zur Fruchtwasserentlastung. Dabei wird eine Nadel durch die Gebärmutter in die Fruchtblase des Rezipienten eingeführt und Fruchtwasser abgelassen. Bei dieser Methode wird vor allem die Gefahr einer Frühgeburt reduziert, während die Belastung der Zwillinge durch das Fetofetale Transfusionssyndrom meist bleibt.

Der Vorteil dieser Therapie ist, dass sie nahezu überall durchgeführt werden kann. Die Nachteile liegen in einer bei jeder Amniozentese bestehenden Gefahr der Fehlgeburt und darin, dass sich an den Belastungen für die Zwillinge meist nichts ändert. Bei dieser Therapie ist die Wahrscheinlichkeit, dass beide Zwillinge überleben 42%, dass mindestens einer der Zwillinge überlebt 60% und dss keiner der Zwillinge überlebt 40%.

Laser Therapie

Diese Behandlung versucht, die Ursache für das Fetofetale Transfusionssyndrom zu beseitigen, indem mittels eines Lasers die verbindenden Blutgefäße in der PlazentaPlazenta
ein spezielles Organ für die Schwangerschaft
unterbrochen werden und damit der Blutfluss vom Donor zum Rezipienten gestoppt wird. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass die Ursache für die Belastung der Zwillinge beseitigt werden kann. Wenn während des Eingriffs alle Blutgefäße unterbrochen werden, haben die Zwillinge die Chance, sich von da ab unter ausgeglichenen Bedingungen weiterzuentwickeln.

Nachteil der Therapie ist, dass sie nur in wenigen Kliniken in Europa durchgeführt wird und dass bestimmte medizinische Voraussetzungen vorliegen müssen, damit sie durchgeführt werden kann.

  • Die Schwangerschaft darf die 25. Woche nicht überschritten haben.
  • Ideal ist eine Hinterwandplazenta. Bei einer Vorderwandplazenta oder vorhergegangenen Fruchtwasserentlastungen kann der Eingriff technisch schwieriger sein.

Die Wahrscheinlichkeiten für das Überleben beider Zwillinge liegen hier bei 59%, dass mindestens ein Zwilling von beiden überlebt bei 83% und dass kein Zwilling überlebt bei 17%.

Allerdings besteht auch hier ein gegenüber einer normal verlaufenden Zwillingsschwangerschaft deutlich erhöhtes Risiko, dass überlebende Kinder neurologische Schäden mit Behinderungen unterschiedlichen Ausmaßes entwickeln. Dieses scheint jedoch kleiner zu sein als nach Fruchtwasserentlastungen (ca. 8%).
Anlaufstellen für Informationen sind in erster Linie die betreuenden Ärzte und die Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, wo Lasereingriffe durchgeführt werden können. In der Elterninitiative steht eine Mutter, die selbst einen Lasereingriff hatte und Zwillinge geboren hat, Eltern mit dieser Problematik für Gespräche zur Verfügung.

Tel. Pränatalambulanz 040-42803-9408

Initiative betroffener Eltern, Ansprechpartner für FFTS:
Gabriele Bergert
Tel.: 040/4803886

Trotz meiner Bemühungen, diese Seiten allgemeinverständlich zu schreiben, brauche auch ich manchmal Fachausdrücke. In diesem Fall gibt es keinen Ersatz dafür. Ich hoffe, dieser Text ist trotzdem verständlich. Fragen Sie mich im Forum, wenn Ihnen etwas zu kompliziert sein sollte.