Freitag, 04.05.2018

25 Jahre für die Allerkleinsten!

Kategorie: Gesundheit, Presse

Vor einem Vierteljahrhundert wurde der Bundesverband „Das frühgeborene Kind" e.V. von engagierten Ärzten und Elternvertretern in Frankfurt am Main gegründet.


Seither hat sich nicht zuletzt aufgrund des Engagements der bundesweit aktiven Organisation einiges im positiven Sinne getan, was die Versorgungsqualität der größten Kinderpatientengruppe Deutschlands betrifft. Für den Verband ist das dennoch kein Grund, um sich heute tatenlos zurückzulehnen, wie dessen Vorsitzende Barbara Mitschdörfer auf der Jubiläumsveranstaltung, die unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey steht, vor politischen Gästen, Repräsentanten aus Pflege und Medizin, Kooperationspartnern sowie Mitgliedern und langjährigen Wegbegleitern am Abend des 26.4. im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin nachdrücklich betont.

Noch immer ist die entwicklungsfördernde und familienzentrierte Versorgung von Frühgeborenen kein regelhafter Standard in Kliniken, die diese sensiblen Patienten während der nachgeburtlichen Akutphase betreuen. Dazu gehört für den Verband beispielsweise eine den individuellen Bedürfnissen des einzelnen Kindes entsprechende Versorgung. Diese Bedürfnisse variieren je nach Unreifegrad der kleinen Patienten mitunter erheblich. Auch der grundsätzlich uneingeschränkte elterliche Zugang zum Kind während des stationären Aufenthaltes und die frühzeitige Einbindung der Eltern in die Versorgung ihres Kindes ist noch nicht überall Standard.

Eine Mitaufnahme der Mutter als Begleitperson im Patientenzimmer gibt es ebenso wenig regelhaft wie kompetente Still- und Laktationsberatung, die den Müttern während des stationären Aufenthalts engmaschig begleitend zur Seite steht, was sich nachteilig auf die Stillrate bei Fr&uum l;hgeborenen auswirkt. Dabei leistet Muttermilch gerade bei den Allerkleinsten einen maßgeblichen Beitrag zu ihrer gesunden Entwicklung, wie zahlreiche Studien belegen. Zudem wären regelmäßige Notfall-Simulationstrainings erforderlich, was routiniertes und gut aufeinander eingespieltes Agieren der Versorgungsteams in Krisensituationen betrifft, sind Experten überzeugt. Doch bisher gibt es nur wenige Simulationszentren, in denen entsprechende Szenarien eingeübt werden können. Eine Teilnahme ist freiwillig und die Praxis zeigt, dass der erhebliche Personalmangel in den Kliniken im Ergebnis dazu führt, dass entsprechende Angebote überwiegend ungenutzt bleiben. Dieser Personalmangel erfüllt den BVDfK mit großer Sorge, denn die damit verbundene hohe anhaltende Belastung der verbliebenen langjährig Pflegenden mit großer Erfahrung lässt befürchten, dass in der Folge immer weniger personelle Ressourcen zur Verf&u uml;gung stehen werden, was eine qualitativ hochwertige Versorgung existenziell gefährdet. Besorgt äußert sich Barbara Mitschdörfer zudem bezüglich der geplanten generalisierten Ausbildungsreform in der Pflege, die den besonderen Anforderungen in der (Intensiv-) Kinderkrankenpflege nicht gerecht wird.
Auch geplante Einsparmaßnahmen der Krankenkassen, die das Aus für bereits etablierte Hilfs-, Unterstützungs- und Entlastungsangebote wie sozialmedizinische Nachsorge für Familien mit extrem früh geborenen Kindern unter 1.500 Gramm Geburtsgewicht bedeuten würden, kritisiert der Bundesverband. „Aufgrund dessen werden wir uns auch weiterhin als Patientenvertreter auf interdisziplinärer Ebene gemeinsam mit unterschiedlichen Experten für den Erhalt bereits erreichter Standards und zukünftige Verbesserungen einsetzen", bekräftigt Mitschdörfer im Hinblick auf die Zukunft des Verbandes.


In 2016 kamen deutschlandweit insgesamt 773.338 Kinder zur Welt. 66.851 dieser Kinder wurden vor der 37. SSW und damit als sogenannte Frühchen geboren. Das entspricht 8,64 Prozent. Ca. 11.000 dieser Frühgeborenen kamen vor der 32. SSW bzw. mit weniger als 1.500 Gramm Geburtsgewicht zur Welt. Das entspricht einem Anteil von ca. 16,5 Prozent aller Frühchen.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesverbandes „Das frühgeborene Kind“ vom 25.4.2018