PDA-Techniken und Nebenwirkungen für die Mutter

Die in einer Geburts-PDA eingesetzten Arzneimittel sind stark genug, um die untere Körperhälfte der Mutter zu betäuben und oft auch zu lähmen, sodass es nicht überrascht, dass es zu erheblichen Nebenwirkungen bei Mutter und Baby kommen kann. Diese Nebenwirkungen reichen von geringfügigen bis zu lebensbedrohlichen Auswirkungen und hängen in gewissem Maß von den eingesetzten Arzneimitteln ab.

Viele der unten aufgeführten PDA-Nebenwirkungen sind bei geringer dosierten, das Umhergehen erlaubenden PDAs nicht geringfügiger, da Frauen, die diese Methoden verwenden, dennoch eine erhebliche Gesamtdosis eines Lokalanästhetikums aufnehmen. Das gilt besonders, wenn kontinuierliche Infusionen oder von der Patientin gesteuerte Boli (große Einzeldosen) verwendet werden.(34) Die Zugabe von Opiatwirkstoffen zu PDAs oder mit Spinalanästhesien kombinierten PDAs kann zu weiteren Risiken für die Mutter wie Pruritus (Juckreiz) und Atemdepression führen (siehe unten).

Nebenwirkungen bei der Mutter

Die häufigste PDA-Nebenwirkung ist ein Abfall des Blutdrucks. Diese Wirkung ist fast universell. Ihr wird normalerweise durch die Verabreichung intravenöser Flüssigkeiten vor dem Legen einer PDA vorgebeugt. Selbst wenn dieses „Vorladen“ erfolgt, kann es bei bis zur Hälfte aller mit einer PDA gebärenden Frauen zu einem deutlichen Abfall des Blutdrucks (HypotonieHypotonie
niedriger Blutdruck
) kommen,(35, 36) insbesondere in den Minuten nach Verabreichen eines Arzneimittelbolus.

HypotonieHypotonie
niedriger Blutdruck
kann zu Komplikationen führen, die von Schwächegefühlen bis zum Herzstillstand reichen,(37) und kann auch die Blutversorgung des Babys beeinträchtigen (siehe unten). HypotonieHypotonie
niedriger Blutdruck
kann mit noch mehr intravenös verabreichten Flüssigkeiten und in schweren Fällen auch mit Injektionen von EpinephrinEpinephrin
natürliches Stresshormon des Körpers
(AdrenalinAdrenalin
natürliches Stresshormon des Körpers
) behandelt werden.

Andere häufige Nebenwirkungen von PDAs sind unter anderem die Unfähigkeit, Wasser zu lassen (wodurch ein Urinkatheter erforderlich wird) bei bis zu zwei Dritteln der Frauen;(38) Hautjucken (Pruritus) bei bis zu zwei Dritteln der Frauen, die ein Opiat per PDA verabreicht bekommen;(39, 40) Schüttelfrost bei bis zu einer von drei Frauen;(41) allgemeine Betäubung bei etwa einer von fünf Frauen;(42) und Übelkeit und Erbrechen bei einer von zwanzig Frauen.(43)

PDAs können auch zu einem Anstieg der Körpertemperatur bei der Gebärenden führen. Ein Fieber von mehr als 38 °C während des Geburtsvorgangs ist insgesamt bei Frauen, die eine PDA bekommen, fünfmal so häufig wie bei Frauen ohne PDA.(44)

Dieser Temperaturanstieg ist häufiger bei Erstgebärenden und ist deutlicher, je länger die PDA besteht.(45) So hatten beispielsweise in einer Studie 7 % der Erstgebärenden mit einer PDA nach sechs Stunden Fieber, und dieser Anteil stieg nach 18 Stunden auf 36 % an.(46) Mütterliches Fieber kann erhebliche Auswirkungen auf das Baby haben (siehe unten).

Opiatarzneimittel, insbesondere, wenn sie ins Rückenmark verabreicht werden, können zu unerwarteten Atemproblemen bei der Mutter führen, die Stunden nach der Geburt einsetzen und bis zum Atemstillstand führen können. Ein Autor merkt an, dass „Atemdepression eine der am meisten gefürchteten und am wenigsten vorhersehbaren Komplikationen von… intrathekalen [ins Rückenmark verabreichten] Opioiden bleibt.“(47)

Viele Beobachtungsstudien haben einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von PDAs und Blutungen nach der Geburt (postnatalen Hämorrhagien) ergeben.(48-53) So wurde in einer großen Studie in Großbritannien festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit einer postnatalen Hämorrhagie bei Frauen, die während der Wehentätigkeit eine PDA gehabt hatten, verdoppelt war.(54) Diese Statistik kann in Zusammenhang mit der Zunahme instrumentierter Geburten und perinataler Traumata stehen (was zu Blutungen führt) oder auch einige der oben angeführten hormonellen Störungen widerspiegeln.

Bei 10 bis 15 % aller Frauen ist die Schmerzlinderung durch eine PDA nicht zufriedenstellend,(55) und der PDA-Katheter muss bei etwa 5 % neu gelegt werden.(56) Bei etwa 1 % der Frauen durchsticht die PDA-Kanüle die Dura. Dadurch kommt es in der Regel zu starken Kopfschmerzen, die bis zu sechs Wochen anhalten können, sich aber durch eine Injektion in den Periduralraum behandeln lassen.(57, 58)

Schwerere Nebenwirkungen sind selten. Wenn PDA-Arzneimittel unbeabsichtigt in den Blutkreislauf injiziert werden, können Lokalanästhetika toxische Wirkungen wie verwaschene Sprache, Schläfrigkeit und bei hohen Dosen auch Krampfanfälle haben. Das tritt bei etwa einer von 2.800 gelegten PDAs auf.(59) Insgesamt kommt es bei etwa einer von 4.000 Frauen zu lebensbedrohlichen Reaktionen.(60-63) Todesfälle im Zusammenhang mit Geburtshilfe-PDAs sind sehr selten,(64) können jedoch durch Herz- oder Atemstillstand oder durch einen PDA-Abszess, der sich Tage oder Wochen später entwickeln kann, hervorgerufen werden.

Späte Komplikationen können unter anderem Schwäche und Taubheitsgefühle sein, die bei 4 bis 18 von 10.000 Frauen auftreten. Die meisten dieser Komplikationen gehen innerhalb von drei Monaten von alleine zurück.(65-69) Langfristige oder bleibende Probleme können aus Nervenschädigungen während des Legens der PDA erwachsen, sowie aus Abszessen oder Hämatomen (Blutgerinnseln), die das Rückenmark komprimieren können, und aus toxischen Reaktionen in den Rückenmarkshäuten, die zu Querschnittslähmung führen könnten.(70)

Nebenwirkungen beim Baby

Einige der bedeutendsten und gut dokumentierten Nebenwirkungen für das ungeborene Baby (den FetusFetus
Bezeichnung der Leibesfrucht nach Abschluss der Organentwicklung nach dem beendeten 3. Schwangerschaftsmonat bis zur Geburt.
) und das Neugeborene leiten sich von Auswirkungen auf die Mutter ab. Dazu zählen, wie bereits oben erwähnt, die Auswirkungen auf das hormonelle Zusammenspiel, den Blutdruck und die Temperaturregulation. Außerdem können die Arzneimittelkonzentrationen im FetusFetus
Bezeichnung der Leibesfrucht nach Abschluss der Organentwicklung nach dem beendeten 3. Schwangerschaftsmonat bis zur Geburt.
und im Neugeborenen sogar höhere Werte als in der Mutter erreichen,(71) wodurch es zu direkten toxischen Wirkungen kommen kann.

 

So kann eine PDA beispielsweise eine Änderung der fetalen Herzfrequenz (FHF) bewirken, die darauf hindeutet, dass es dem ungeborenen Baby an Blut und Sauerstoff mangelt. Von dieser Auswirkung ist bekannt, dass sie kurz nach Verabreichen einer PDA (üblicherweise innerhalb der ersten 30 Minuten) eintritt, bis zu 20 Minuten andauern kann und besonders wahrscheinlich ist, wenn Opiatwirkstoffe über die PDA oder eine Spinalanästhesie verabreicht werden. Die meisten dieser FHF lassen sich ohne Behandlung durch eine Lageänderung beheben. In selteneren Fällen kann eine medikamentöse Behandlung erforderlich sein.(72) Ausgeprägtere Änderungen und der durch sie angezeigte Fetaldistress können einen Notkaiserschnitt bedingen.

 

Man beachte auch, dass der Gebrauch von Opiatarzneimitteln für die Wehenanalgesie allgemein zu Anomalitäten der FHF führen kann. Dadurch ist es schwierig, die wahren Auswirkungen einer PDA auf die FHF zu bewerten, da in fast allen randomisierten Studien PDAs mit Meperidin oder anderen Opiatarzneimitteln verglichen werden. Ein Forscher merkt an, dass die Rückenlage möglicherweise erheblich zum Auftreten von HypotonieHypotonie
niedriger Blutdruck
und Anomalitäten der FHF beiträgt, wenn eine PDA gelegt wurde.(73) Ein anderer stellte fest, dass die Rückenlage (in Kombination mit einer PDA) mit einem erheblichen Rückgang der Sauerstoffversorgung des Gehirns des Babys (fetale zerebrale Oxygenierung) verbunden war.(74)

 

Das Baby kann auch von einem durch die PDA ausgelösten Anstieg der Körpertemperatur der Gebärenden betroffen sein. In einer großen Studie bei Erstgebärenden waren Babys von fiebernden Müttern, von denen 97 % eine PDA erhalten hatten, mit größerer Wahrscheinlichkeit in schlechtem Zustand (niedriger Apgar-Wert) als Babys von fieberfreien Müttern; sie hatten außerdem mit größerer Wahrscheinlichkeit einen schlechten Tonus und benötigten eine Wiederbelebung (11,5 % gegenüber 3 %) oder hatten Krampfanfälle in der Neugeborenenzeit.(75) Ein Forscher stellte einen zehnfachen Anstieg des Risikos für eine Neugeborenenenzephalopathie (Anzeichen von Hirnschäden) bei von fiebernden Müttern geborenen Babys fest.(76)

 

Mütterliches Fieber unter den Wehen kann auch zu direkten Problemen für das Neugeborene führen. Da Fieber ein Anzeichen einer die Gebärmutter betreffenden InfektionInfektion
Eindringen von Krankheitserregern
sein kann, werden Babys, die von fiebernden Müttern geboren werden, fast immer auf Anzeichen einer InfektionInfektion
Eindringen von Krankheitserregern
(Sepsis) untersucht. Die Sepsisuntersuchung bedingt eine längere Trennung von der Mutter, Aufnahme auf eine Intensivstation, invasive Tests und höchstwahrscheinlich die Gabe von Antibiotika, bis die Testergebnisse vorliegen. In einer Studie mit Erstgebärenden wurde bei 34 % der PDA-Babys eine Sepsisuntersuchung durchgeführt, im Vergleich zu 9,8 % der Nicht-PDA-Babys.(77)