Eindeutigen Erkenntnisse zum Stillen liefert die PDA Studie nicht

Wie beim neurologischen Verhalten sind auch die Auswirkungen auf das Stillen nur schlecht untersucht. Außerdem geben jüngere randomisierte kontrollierte Studien, in denen der Kontakt mit einer PDA mit dem mit Opiatarzneimitteln verglichen wird, einen besonders irreführenden Eindruck, da Opiate einen anerkannt negativen Effekt auf das frühe Stillverhalten und den Stillerfolg haben.(103-107)

PDAs können sich über verschiedene Mechanismen auf Stillerfahrung und -erfolg auswirken. Erstens kann das der PDA ausgesetzte Baby Anomalien des neurologischen Verhaltens aufweisen, die durch den Kontakt mit dem Arzneimittel bedingt und in den Stunden nach der Geburt am stärksten ausgeprägt sind, also in der Zeit, die sehr wichtig für den Beginn des Stillens ist. Jüngere Forschungsarbeiten haben gezeigt (was eigentlich offensichtlich ist), dass das Stillen umso besser bewertet wird, je höher der Wert für das neurologische Verhalten des Säuglings ist.(108)

In einer weiteren Studie waren die Stillfähigkeiten des Babys, die mit dem Infant Breastfeeding Assessment Tool (IBFAT) gemessen wurden, bei arzneimittelfrei geborenen Babys am größten, geringer bei Babys, die einer PDA oder intravenösen Opiaten ausgesetzt waren, und am geringsten bei Babys, die mit beidem Kontakt hatten. Säuglinge, die hier niedrigere Werte hatten, wurden früher abgestillt, obwohl in allen Gruppen ähnlich viele Kinder nach sechs Wochen noch gestillt wurden.(109) Andere Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass Babys, die einer PDA oder einer Spinalanästhesie ausgesetzt waren, im Krankenhaus eher an Gewicht verloren, was auf eine schlechte Stilleffizienz hindeuten kann.(110) Eine weitere Untersuchung hat Hinweise darauf ergeben, dass das Stillverhalten und die NACS-Werte von Neugeborenen bei ultraniedrig dosierter PDA normal sein können, doch selbst in dieser Studie wiesen Babys mit einer höheren Arzneimittelkonzentration nach zwei Stunden geringere NACS-Werte auf.(111){mospagebreak}

Zweitens kann die PDA die frisch entbundene Mutter beeinträchtigen und so das Stillen erschweren. Diese Situation ist wahrscheinlich, wenn sie einen langen Geburtsverlauf, eine instrumentengestützte Entbindung oder eine Trennung von ihrem Baby erlebt – Ereignisse, die nach einer PDA wahrscheinlicher sind. Auch Störungen im Hormonhaushalt können dazu beitragen, da Oxytocin ein wichtiges Hormon für das Stillen ist.

In einer Studie wurde festgestellt, dass nach einer PDA geborene Babys mit geringerer Wahrscheinlichkeit noch bei der Krankenhausentlassung gestillt wurden; dieses Risiko bestand insbesondere für PDA-Mütter, deren Babys nicht innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt gestillt wurden.(112) Eine finnische Erhebung stellte fest, dass 67 % der Frauen, die unter den Wehen eine PDA erhalten hatten, angaben, in den ersten 12 Wochen teilweise oder ganz künstliche Säuglingsnahrung gefüttert zu haben; bei den Nicht-PDA-Müttern waren es 29 %. Die Mütter mit einer PDA gaben auch mit größerer Wahrscheinlichkeit an, „nicht genug Milch“ zu haben.(113)

Zwei schwedische Forschungsgruppen haben sich mit dem subtilen, aber komplexen Still- und Vorstillverhalten von nicht mit Arzneimitteln in Kontakt gekommenen Neugeborenen befasst. Eine Gruppe hat dokumentiert, dass ein Neugeborenes, das Haut an Haut auf den Bauch der Mutter gelegt wird, hochkrabbeln, die Brustwarze finden und sich selbst anlegen kann.(114) Neugeborene, die während der Wehen mit Opiaten in Kontakt kommen oder nach der Geburt kurzfristig von der Mutter getrennt werden, verlieren diese Fähigkeit weitgehend. Die andere schwedische Gruppe stellte fest, dass Neugeborene, die während der Wehen einer Form der Analgesie ausgesetzt waren (in den meisten Fällen Opiate, aber auch einige PDAs), ebenfalls in ihrem Vorstillverhalten – Kneten und Lecken der Brustwarze, Saugen an der Hand – im Vergleich zu nicht mit Arzneimitteln in Kontakt gekommenen Neugeborenen desorganisiert waren.(115)