Auswirkungen der PDA auf den Geburtsvorgang

PDA`s verlangsamen die Wehen, möglicherweise durch die oben beschriebenen Auswirkungen auf die Oxytocinfreisetzung der Gebärenden. Es gibt jedoch auch Hinweise aus der Tierforschung, dass die in PDAs eingesetzten Lokalanästhetika möglicherweise durch eine direkte Auswirkung auf den Gebärmuttermuskel die Kontraktionen hemmen.(18)

Im Durchschnitt ist die erste Phase der Geburt bei Frauen, die eine PDA nutzen, um 26 Minuten verlängert, und die zweite, die Austreibungsphase, ist 15 Minuten länger.(19) Auch der Wegfall des letzten Oxytocinschubs trägt wahrscheinlich zu dem doppelt so hohen Risiko einer instrumentierten Geburt – mit Saugglocke oder Zange – für Frauen bei, die eine PDA bekommen,(20) obwohl auch andere Mechanismen eine Rolle spielen können.

So betäubt beispielsweise die PDA auch die Beckenbodenmuskeln der Gebärenden, die wichtig sind, um den Kopf des Babys in eine für die Geburt günstige Position zu geleiten.

Wenn eine PDA gelegt wurde, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby in den letzten Stadien der Wehen in Sternguckerlage (mit dem Gesicht nach oben) liegt, erhöht – laut einer Studie ist das bei 13 % der Geburten der Fall, bei Frauen ohne PDA bei 3 %.(21) Die Sternguckerlage verringert die Chance einer spontanen vaginalen Entbindung; in einer Studie erlebten nur 26 % der Erstgebärenden (und 57 % der erfahrenen Mütter) mit einem Baby in Sternguckerlage eine spontane vaginale Geburt, bei den übrigen kamen Instrumente (Zange oder Saugglocke) oder ein Kaiserschnitt zum Einsatz.(22)

Die Anästhesisten hatten gehofft, dass eine niedrig dosierte oder mit einer Rückenmarksbetäubung kombinierte PDA die Wahrscheinlichkeit einer instrumentierten Geburt senken würde, aber die Verbesserung scheint nur mäßig zu sein. In der sogenannten COMET-Studie (Comparative Obstetric Mobile Epidural Trial – Vergleichsstudie von nicht die Bewegung einschränkenden PDAs in der Geburtshilfe) erlebten 37 % der Frauen mit einer herkömmlichen PDA eine instrumentengestützte Geburt, im Vergleich zu 29 % der Frauen mit niedrig dosierter PDA und 28 % der Frauen, die eine PDA kombiniert mit einer Spinalanästhesie hatten.(23)

Eine instrumentell gestützte Geburt kann für das Baby das kurzfristige Risiko von Blutergüssen, Gesichtsverletzungen, Verlagerung der Schädelknochen und eines Kephalhämatoms (Bluterguss unter der Kopfhaut) vergrößern.(24)

Das Risiko einer intrakranialen Hämorrhagie (Blutung im Gehirn) war in einer Studie bei durch Zangengeburt entbundenen Babys viermal so hoch wie bei spontan entbundenen Babys,(25) wenngleich zwei Studien keine nachweisbaren Entwicklungsunterschiede bei durch Zangengeburt entbundenen Kindern im Alter von fünf Jahren zeigten.(26, 27)

 Eine andere Studie ergab, dass bei Zangengeburten nach einer PDA die Kraft, die zur Entbindung von der assistierenden Person aufgewendet werden musste, fast doppelt so hoch war wie bei Zangengeburten ohne PDA.(28)

Durch eine PDA wird auch der Bedarf an Pitocin zur Wehenverstärkung erhöht, wahrscheinlich aufgrund der negativen Auswirkung auf die Oxytocinfreisetzung der Gebärenden selbst. Bei Frauen, die mit einer PDA gebären, wird fast dreimal so häufig Pitocin verabreicht wie bei Frauen ohne PDA.(29) Die Kombination von PDA und Pitocin, die beide zu Anomalien der fetalen Herzfrequenz führen können, die auf Fetaldistress hindeuten, erhöht deutlich das Risiko einer operativen Geburt (Zange, Saugglocke oder KaiserschnittKaiserschnitt
Kaiserschnitt. Geburtshilfliche Operation bei der die Bauchdecke und die Gebärmutter Uterus geöffnet werden, um das Kind auf diesem Wege zu entbinden.
). In einer australischen Erhebung erlebte etwa die Hälfte der Erstgebärenden, die sowohl eine PDA als auch Pitocin bekommen hatten, eine operative Entbindung.(30)

Die Auswirkung einer PDA auf das Kaiserschnittrisiko ist umstritten. Jüngere Übersichtsarbeiten kommen entweder zu dem Schluss, dass kein erhöhtes Risiko besteht(31) oder ein um 50 % erhöhtes Risiko.(32) Am bedeutendsten ist dieses Risiko wahrscheinlich für Frauen, die bei ihrem ersten Baby eine PDA erhalten.(33)

Es ist zu beachten, dass es sich bei den meisten der Studien, die zu diesen Schlussfolgerungen gelangen, um randomisierte kontrollierte Studien handelt, in denen den Frauen, die in die Teilnahme einwilligen, zufällig entweder eine PDA als Schmerzmittel oder eine andere schmerzlindernde Maßnahme (also keine PDA) zugewiesen wird. Bei der Schmerzlinderung durch andere Maßnahmen als eine PDA werden üblicherweise Opiate wie Meperidin (auch als Pethidin bekannt) verabreicht. Viele dieser Studien sind durch hohe Wechselraten mangelhaft – d.h. viele Frauen, die zufällig eine PDA zugewiesen bekamen, entschieden sich für andere Schmerzmittel und umgekehrt. Außerdem fehlen in diesen Studien echte Kontrollgruppen – also Frauen, die überhaupt keine Schmerzmittel nehmen –, so dass sie keine Aussagen darüber treffen können, welche Auswirkungen PDAs im Vergleich zu einer Geburt ohne Schmerzmittel habe