Die PDA stört das natürliche Zusammenspiel der Geburtshormone

PDAs stören manche der wichtigen Hormone des Geburtsvorgangs ganz erheblich, wodurch sich möglicherweise ihre negative Wirkung auf die Wehenprozesse erklären lässt.(6) Wie die Weltgesundheitsorganisation anmerkt:

 „Die PDA ist eines der verblüffendsten Beispiele für die Medizinisierung einer normalen Geburt, durch die ein physiologischer Vorgang in einen medizinischen Eingriff verwandelt wird.“(7)

So ist beispielsweise das auch als Hormon der Liebe bekannte Oxytocin ein natürliches Uterotonikum – eine Substanz, die dazu führt, dass sich die Gebärmutter im Geburtsvorgang zusammenzieht.

Eine PDA verringert die Oxytocinfreisetzung durch die Mutter(8) oder verhindert den normalen Anstieg während der Wehen.(9)

Die Auswirkung einer Spinalanästhesie auf die Oxytocinfreisetzung ist sogar noch deutlicher.(10) PDAs verhindern auch den mütterlichen Spitzenausstoß von Oxytocin, der bei der Geburt auftritt,(11) wenn nämlich die Oxytocinkonzentration den höchsten Wert im gesamten Leben der Mutter erreicht.

Dieser Höchstwert löst die letzten starken Wehenkontraktionen aus und verhilft Mutter und Baby dazu, sich bei der ersten Begegnung ineinander zu verlieben. Ein weiteres wichtiges uterotonisches Hormon, das Prostaglandin F2-alpha, ist ebenfalls bei Frauen vermindert, die eine PDA erhalten.(12)

Beta-Endorphin ist das Stresshormon, das sich während des natürlichen Geburtsverlaufs anreichert, um der Gebärenden dabei zu helfen, den Schmerz zu überwinden. Beta-Endorphin wird auch mit dem veränderten Bewusstseinszustand in Verbindung gebracht, der während des Geburtsvorgangs normal ist. Das Gefühl, „auf einem anderen Planeten“ zu sein, wie es von manchen beschrieben wird, hilft der werdenden Mutter dabei, instinktiv mit ihrem Körper und ihrem Baby zusammenzuarbeiten und dabei oft Bewegungen und Töne zu nutzen.

PDAs verringern die Freisetzung von Beta-Endorphin bei der Gebärenden.(13, 14) Vielleicht spiegelt der weitverbreitete Einsatz von PDAs unsere Schwierigkeiten wider, Frauen in diesem veränderten Zustand zu unterstützen – und auch die Vorliebe unserer Kultur für stille und ergebene Gebärende.

AdrenalinAdrenalin
natürliches Stresshormon des Körpers
und Noradrenalin (EpinephrinEpinephrin
natürliches Stresshormon des Körpers
und NorepinephrinNorepinephrin
körpereigene Überträgersubstanz
, zusammen als Catecholamine oder CA bezeichnet) werden ebenfalls unter Stressbedingungen freigesetzt, und ihre Konzentrationen steigen bei einer nicht medikamentös begleiteten Geburt natürlicherweise an.(15) Am Ende eines ungestörten Geburtsvorgangs verleiht ein natürlicher Anstieg dieser Hormone der Mutter die Energie, das Baby herauszupressen, und macht sie aufgeregt und wach für die erste Begegnung mit ihrem Baby. Dieser Anstieg ist als fetaler Ejektionsreflex bekannt.(16)

Durch sehr hohe CA-Konzentrationen wird die Geburt jedoch gehemmt, was eintreten kann, wenn die Gebärende Hunger oder Angst hat, friert oder sich unsicher fühlt.(17) Evolutionär gesehen ist das sinnvoll: Wenn die Mutter eine Gefahr ahnt, verlangsamen ihre Hormone den Geburtsvorgang oder unterbrechen ihn, so dass sie Zeit hat, einen sichereren Ort aufzusuchen.

PDAs verringern die CA-Freisetzung der Gebärenden, was hilfreich sein kann, wenn hohe Konzentrationen den Geburtsvorgang hemmen. Eine Reduktion des letzten CA-Ausstoßes jedoch trägt unter Umständen zu Schwierigkeiten bei, die Frauen, die mit einer PDA gebären, oft beim Herauspressen ihres Babys erleben.

Das wiederum bedeutet ein höheres Risiko einer instrumentierten Geburt (mit Zange oder Saugglocke), was mit dem Gebrauch der PDA einhergeht.