Auswirkungen auf das neurologische Verhalten.

Die Auswirkungen von PDA-Arzneimitteln auf das neurologische Verhalten (Verhalten, das den Zustand des Gehirns widerspiegelt) sind umstritten. Ältere Studien, in denen Babys, die einer PDA ausgesetzt waren, mit Babys verglichen wurden, deren Mütter keine Arzneimittel erhalten hatten, zeigten signifikante Auswirkungen auf das neurologische Verhalten.

Neuere Ergebnisse aus randomisierten kontrollierten Studien (die, wie bereits angemerkt, Neugeborene nach PDA- und nach Opiatkontakt miteinander verglichen) zeigten dagegen keine Unterschiede. Die älteren Studien verwendeten jedoch den umfassenderen (und schwieriger durchzuführenden) Test nach Brazelton (Brazelton Neonatal Behavioral Assessment Score, NBAS, von Kinderärzten entwickelt), wogegen jüngere Tests weniger komplexe Untersuchungen umfassen, insbesondere den von Anästhesisten entwickelten NACS (Neurologic and Adaptive Capacity Score), der alle Daten in einer einzigen Zahl zusammenfasst und als unempfindlich und unzuverlässig kritisiert worden ist.(86-88)

So stellen beispielsweise alle drei Studien, die einer PDA ausgesetzte Babys mit nicht mit Arzneimitteln in Kontakt gekommenen Babys verglichen und den NBAS verwendeten, signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen fest:(89)

Ann Murray et al. verglichen 15 nicht mit Arzneimitteln in Kontakt gekommene mit 40 einer PDA ausgesetzten Babys und stellten fest, dass die PDA-Babys auch nach fünf Tagen noch einen deutlich niedrigeren NBAS-Wert hatten, verbunden insbesondere mit Problemen, ihren Zustand zu regulieren. Zwanzig Babys, deren Mütter zusätzlich zu der PDA auch Oxytocin erhalten hatten, zeigten sogar noch niedrigere NBAS-Werte, die möglicherweise durch die in dieser Gruppe höhere Gelbsuchtsrate zu erklären sind. Nach einem Monat bewerteten PDA-Mütter ihre Babys als „weniger anpassungsfähig, angespannter und anstrengender in ihrem Verhalten.“ Diese Unterschiede ließen sich nicht durch die schwierigeren Entbindungen und anschließenden Trennungen von Mutter und Kind erklären, die mit PDAs einhergingen.(90)

Carol Sepkoski et al. verglichen 20 PDA-Babys mit 20 nicht mit Arzneimitteln in Kontakt gekommenen Babys und stellten im ersten Lebensmonat weniger Wachheit und ein geringeres Orientierungsvermögen fest. Die PDA-Mütter verbrachten im Krankenhaus weniger Zeit mit ihren Babys, und zwar in direkter Relation zur verabreichten Gesamtdosis Bupivacain.(91)

Deborah Rosenblatt et al. untersuchten PDA-Babys sechs Wochen lang mit dem NBAS-Test und stellten die stärkste Absenkung des Wertes am ersten Tag fest. Obwohl es zu einer gewissen Erholung kam, weinten die PDA-Babys nach drei Tagen immer noch leichter und öfter, und Aspekte dieses Problems („Regulierung des Zustands“) blieben die ganzen sechs Wochen über bestehen.(92)

Obwohl diese älteren Studien mit herkömmlichen PDAs durchgeführt wurden, war die den Müttern verabreichte Gesamtdosis Bupivacain (in diesen Studien betrugen die Mittelwerte 61,6 mg, 112,7 mg bzw. 119,8 mg) in etwa vergleichbar mit denen aus jüngeren Niederdosisstudien (z.B. 67,5 mg, 91,1 mg und 101,1 mg).(93-98)

Diese Studien zum neurologischen Verhalten betonen die mögliche Auswirkung von PDAs auf Neugeborene und auf die sich entwickelnde Beziehung zwischen Mutter und Säugling. In ihren Schlussfolgerungen zeigen sich die Forscherinnen besorgt über „die Bedeutung der ersten Begegnung mit einem desorganisierten Baby für die Ausbildung mütterlicher Erwartungen und interaktiver Stile.“(99)