Geburtshäuser nehmen festen Platz im deutschen Gesundheitssystem ein

Pressemeldung

 

Vertragsabschluss zwischen Geburtshäusern und Krankenkassen ermöglicht Gerechtigkeit für Familien aller Einkommensstufen und bringt wirtschaftliche Sicherheit für die Einrichtungen.

 

Zum 27. Juni 2008 tritt der Vertrag gemäß § 134a SGB V über die Qualitätssicherung in Geburtshäusern und die Erstattung von Betriebskosten in Kraft. Für jede Geburt in einer von Hebammen geleiteten ambulanten geburtshilflichen Einrichtung werden pauschal 550,- € von den Krankenkassen erstattet.

Damit finden die Bemühungen der Geburtshäuser um die gesetzliche Absicherung ihrer Arbeit und ihre wirtschaftliche Basis nach 20jährigem Ringen ihr gutes Ende.


Für werdende Eltern bedeutet das Urteil mehr soziale Gerechtigkeit und die Möglichkeit, den Geburtsort ihrer Kinder frei wählen zu können. Bis dato gab es keine einheitliche Regelung zur Zahlung von Betriebskosten, so dass Eltern von Einzelfallentscheidungen ihrer Krankenkassen abhängig waren.
Die Vertragspartner, das Netzwerk der Geburtshäuser in Deutschland, der Bund der freiberuflichen Hebammen Deutschlands und der Bund Deutscher Hebammen einerseits und die Spitzenverbände der Krankenkassen andererseits hatten nach intensiven einjährigen Verhandlungen weitgehend Einigkeit über die Vertragsinhalte erreicht.


Die hohe Betreuungsqualität, die den Familien in den Geburtshäusern angeboten wird, ist nun vertraglich abgesichert. Die Höhe der dafür von den Kassen zu zahlenden Betriebskosten blieb ein nicht gelöster Streitpunkt zwischen den Verhandlungspartnern.
Nun fällte in Hamburg die für diese gesetzliche Regelung zuständige Schiedsstelle eine Entscheidung. Trotz des hohen Qualitätsstandards bleibt die Kostenpauschale für Geburtshäuser unterhalb der Kosten einer vergleichbaren Klinikgeburt.

Für das deutsche Gesundheitssystem keine finanzielle Mehr-, sondern eine Entlastungsmöglichkeit. "Mit dem Spruch der Schiedsstelle können wir erst einmal zufrieden sein", meint Karin Alscher, 1. Vorsitzende des Netzwerks der Geburtshäuser. "Wir können weiterhin unsere Kosten nicht ohne Idealismus und ehrenamtlichen Einsatz tragen, aber gegenüber den Unwägbarkeiten der Vergangenheit haben wir einen deutlichen Fortschritt erreicht."

Mit dem Urteil werden Geburtshäuser als Zentren für außerklinische, von Hebammen geleitete Geburtshilfe gesichert und erhalten einen festen Platz im deutschen Gesundheitssystem.
Viele Einrichtungen wurden von Eltern mitbegründet und unterstützt, die sich für sich und ihre Kinder einen sicheren und geborgenen Geburtsort wünschen.
Vor 20 Jahren entstanden die ersten der mittlerweile etwa 120 deutschen Geburtshäuser, die Frauen und ihren Familien eine integrierte, präventive Versorgung anbieten: umfassende Schwangerenvorsorge, Geburtsvorbereitung, ambulante Geburtshilfe, häusliche Wochenbettbetreuung und unterstützende Angebote in der Umstellungsphase der jungen Familie.

Unter der Prämisse, dass Schwangerschaft und Geburt keine Krankheiten, sondern gesunde Vorgänge sind, wird in den Einrichtungen eine frauengerechte, individuelle und familienorientierte Hebammengeburtshilfe geleistet. Frauen erleben selbstbestimmt die Geburt ihres Kindes, werden gestärkt, ihre und die Bedürfnisse des Kindes wahrzunehmen und kompetent zu beantworten.
Schon vor Jahren haben auch die Spitzenverbände der Krankenkassen diese kostengünstige Alternative für eine sichere Betreuung bei normalen Geburten erkannt.
Einigkeit bestand bei den Verbandsvertretungen der Geburtshäuser und den Kassen darüber, dass teure Hochleistungsmedizin im Rahmen der Geburtshilfe denjenigen zu Gute kommt, die sie benötigen, und dass Alternativen für diejenigen zur Verfügung stehen, denen eine Überversorgung eher schadet.

Durch unterschiedliche Maßnahmen, wie die 1:1 Betreuung unter der Geburt (eine Hebamme betreut eine werdende Mutter und nicht gleich mehrere), eine kompetente und intensive Betreuung und Aufklärung in der Schwangerschaft und hohe geburtshilfliche Qualitätsstandards können Interventionen und der Einsatz von Technik in den Geburtshäusern auf ein sinnvolles Minimum beschränkt werden. "Wir sind stolz auf die Zahlen aus dem letzten 5-Jahresbericht der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe", sagt Karin Alscher. "
Stabile Dammschnittraten von ca. 6 % und eine Kaiserschnittrate bei verlegten Frauen von ca. 4% und ein nachweislich gutes mütterliches und kindliches out come können sich sehen lassen.
99% der Geburtshaus-Kinder weisen 1 Minute nach der Geburt einen optimalen Vitalitätszustand auf. Und falls doch eine Verlegung notwendig sein sollte, sind die Hebammen bestens geschult und ausgerüstet, den Weg ins Krankenhaus stressfrei und sicher anzutreten.
Teil des Qualitätsmanagementsystems in unseren Häusern ist eine gute Kooperation mit Kliniken, Fachärztinnen und -ärzten oder Beratungsstellen in ihrer Nähe."

2003 reichten das Netzwerk der Geburtshäuser gemeinsam mit den Spitzenverbänden der Krankenkassen einen gemeinsamen Gesetzentwurf ein, der im Rahmen der Gesundheitsreform 2007 neben intensiver Lobbyarbeit dazu führte, dass hebammengeleitete Geburtshäuser im Sozialgesetzbuch verankert wurden. Damit war der gesetzliche Hintergrund dafür geschaffen, Betriebskosten von Geburtshäusern durch Krankenkassen erstatten zu können.

"Auf diesem Weg hat es viele Geburtshelferinnen und -helfer gebraucht", erinnert sich Karin Alscher. "Unser Erfolg wäre nicht möglich gewesen ohne die Unterstützung von Eltern, Fachleuten und auch Sponsoren.

Qualität hat ihren Preis", ergänzt Ulla Kayser, 2. Vorsitzende des Netzwerks der Geburtshäuser. Durch die jetzt vorliegende vertragliche Regelung ist es den Geburtshäusern möglich, ihre Arbeit fortzusetzen.
Sie erläutert, dass zur Hebammenarbeit regelmäßige Fallbesprechungen und Supervisionen ebenso gehören wie Fortbildungen im Bereich des Notfallmanagements und anderen geburtshilflichen Themen. Das ist zeit- und kostenintensiv.
Der Vertrag erkennt unsere Tätigkeit an. Darüber freuen wir uns" sagt die Hebamme mit 25jähriger Berufserfahrung in der außerklinischen Geburtshilfe "Und wir freuen uns über die Mütter und Kinder, die wir in Zukunft betreuen werden können."

Weitere Informationen:Netzwerk der Geburtshäuser in Deutschland e.V.

Mail: info@geburtshaus.de