Jetzt komme ich endlich dazu Euch meinen Geburtsbericht zu schreiben.

Ich weiss jetzt warum mir in meiner Schwangerschaft jeder von seiner Geburt berichten wollte: dieses Erlebnis ist wirklich so einmalig, dass man es jedem gleich auf die Nase binden möchte.
Zum Glück gibt’s dieses Forum, wo ich mich mit meinen Erlebnissen so richtig austoben kann.

Mein Entbindungstermin war der 21.2.. Meine FÄ sah eher den als Termin (Das wäre ein schönes Valentinstagsgeschenk gewesen) Die Hebammen im KH versteiften sich auf den 29.2.. Ich war aber mit dem 21.02 sehr zufrieden, immerhin weiß ich ja am besten wann „es“ passiert sein könnte.

Als der Termin dann ran war, war uns klar das wir unseren Bub ein wenig anschieben wollten.
Wir konnten es schließlich kaum erwarten ihn endlich bei uns zu haben. Also machten wir erst einmal einen schönen langen Spaziergang.
Danach kochte mein Schatz was leckeres scharfes und dazu trank ich mein erstes Glas Rotwein in der Schwangerschaft. Nach diesem Abendmahl gings in die heiße Badewanne und ich bekam eine heiße Massage. Danach kam was kommen musste... wir machten heiß weiter.
Es war Punkt 12 Uhr als wir „fertig“ waren und schon setzten die Wehen ein.

Erst dachte ich, ich hätte das Essen nicht vertragen, weil ich auch Durchfall hatte. Aber es war eher so, dass sich der Darm von selber reinigte um bereit zu sein.
Die Wehen bekam ich im Abstand von 3,5 Minuten und um zu überprüfen ob es nun richtige Wehen sind bin ich noch mal in die Badewanne.
Das war zwar recht angenehm, aber die Abstände verkürzten sich auf 2 Minuten und eine Wehe hielt 50 Sekunden (Mein Freund stand die ganze Zeit mit einer Stoppuhr hinter mir und wusste nicht so recht was er tun sollte)

Also ab ins Krankenhaus.

Um 3 Uhr sind wir dort angekommen und ich wurde erstmal ans CTG angeschlossen. Alle drei Kreissäle waren belegt und man wusste nicht so richtig was mit uns anzufangen.
Zum Glück war zufällig meine Hebamme da, die ab und zu mal nach mir sah. Die Wehen wurden richtig schlimm, aber ich bin nicht so ein Typ der den Schmerz nach außen trägt, also bin ich bei jeder Wehe in mich gegangen und hab sie überstanden.
Im nach hinein sagte mein Freund er hätte es gar nicht mitbekommen, wenn er nicht am CTGCTG
Abkürzung für Cardiotokogramm
gesehen hätte, wie lange so eine Wehe anhält. Die Ernüchterung kam bei der Untersuchung. Muttermund bei 2 cm (das war er zwei Wochen vorher auch schon) Die Hebamme legte uns Nahe nach Hause zu fahren und ein wenig zu schlafen.
Schlafen? Bei den Schmerzen? Und wann sollte ich wieder ins Krankenhaus fahren, der Abstand zwischen den Wehen kann ja nicht so viel kürzer werden. Das war mir zu heikel.
Alle Kreissäle und Vorwehenzimmer besetzt, alle Zimmer auf der Wochenstation besetzt, also blieb mir nichts anderes übrig als im Aufenthaltsraum zu liegen. Und dort kam die nächste Ernüchterung. Die Wehenabstände wurden immer länger, nur noch alle 10 Minuten.

Gegen 9 Uhr hatte ich keine Lust mehr.

Ich wollte nach Hause. Gesagt getan. Ich konnte zu Hause sogar noch eine Stunde schlafen, da die Wehen nicht mehr so stark waren.
Gegen 14.30 Uhr ging es dann wieder richtig zur Sache. Der Wehenabstand war gleich bei
1 ½ Minuten und die Wehen waren auch richtig heftig. Aber eines wollte ich nicht, wieder im Krankenhaus auftauchen und wieder nach Hause geschickt werden.
Also hielt ich es aus und wartete ab. Bis ich auf die Toilette musste und dort bekam ich einen riesigen Schreck. Das war eine Presswehe und ich konnte den Kopf schon zwischen meinen Beinen fühlen. Meine erste Reaktion: „ins Krankenhaus schaffe ich es nie, ich fahr nicht mit“.
Nach sanften Drängen bin ich dann doch ins Auto gestiegen und die viertel Stunde Fahrt war wirklich schlimm. Mir war noch in Erinnerung das man bei Presswehen nicht pressen darf solange der Muttermund noch nicht auf ist.
Da ich über diesen Zustand nichts wusste versuchte ich jede Wehe zu veratmen und das klappte nicht immer.

Im Krankenhaus war inzwischen Schichtwechsel und eine sehr nette Hebamme nahm mich in Empfang. Als ich ihr sagte ich hätte Presswehen und kann den Kopf fühlen schaute sie mich ungläubig an und wollte mich erstmal untersuchen. Das ging schnell, der Muttermund war bereits vollständig geöffnet und das Kind bereits auf dem Weg nach draußen.


Das was ich nicht wollte war im liegen entbinden
.

Aber im stehen versagten mir meine Beine, die unglaublich anfingen zu zittern. Also doch ins Bett, auf die Seite gelegt und gepresst. Die Hebamme war prima und hat es verstanden mich zu motivieren. Sie sagte immer wie toll ich das mache und ich glaubte ihr einfach mal. Doch dann kam die Ärztin dazu und die brachte mich ganz aus dem Konzept. Da es mit dem pressen nicht ganz so vorwärts ging sollte ich mich nun doch auf den Rücken liegen, den Kopf auf die Brust drücken und pressen. Ich hätte mich in diesem Zustand nicht dagegen wehren können, aber die Hebamme kam mir zur Hilfe. Sie fragte ob ich lieber den Gebärhocker ausprobieren möchte und ich stimmte ihr sofort zu. Also wieder runter vom Bett und auf den Hocker.

Nach zwei Wehen war’s dann soweit, mein kleiner Junge lag unter mir und weinte. Er wurde sofort auf meine Brust gelegt und er war sofort still, kuschelte sich an mich und schaute mich schon mit den schönsten großen Augen der Welt an. Um mich herum war alles vergessen, ich hatte nur noch Augen für meinen Schatz. Dadurch bekam ich leider die Freudentränen vom Papa und das durchschneiden der Nabelschnur nicht mit.
Leider musste ich genäht werden, weil mein Sohn es vorzog mit den Armen über den Kopf geboren zu werden. Dadurch bescherte er mir sowohl einen DammrissDammriss
, als auch einen Scheidenriss. Nachdem ich die Näherei hinter mich gebracht habe kamen wir in ein schönes gemütliches ruhiges Zimmer und dort blieben wir noch ganze 3 Stunden und hatten genügend Zeit uns zu beschnuppern und diese Zeit haben wir auch sehr genossen.
Erst danach wurde er vermessen und angezogen. Er wog 3365 g und war 52 cm lang.

Im nach hinein betrachtet war es eine sehr schöne Geburt

vor allem durch die Mitwirkung der Hebamme und durch die Zeit die wir danach für uns hatten. Trotzdem möchte ich beim zweiten Kind (sollte denn noch eins kommen) gerne zu Hause entbinden. Da ich dann in etwa weiß was mich erwartet, bin ich nicht mehr so ängstlich und weiß, das ich es ohne die Hilfe von Ärzten und Klinikkrams mit der richtigen Hebamme schaffen kann.