Baby hatte eine andere Geburtsplanung!

Wir sprachen freudig und aufgeregt darüber, wie wir die kommenden Stunden Eröffnungswehen herumkriegen sollten, mein Mann schlug vor, Musik anzumachen, ich überlegte, ob wir vielleicht noch einen Film anschauen könnten. Um unsere Hausgeburtskiste mit Plastikplanen und dem Plakat für die Wohnungstür ("Keine Sorge, hier endet kein Leben, hier beginnt eins!") zu öffnen, war es jedenfalls noch viel zu früh, fanden wir, und die Hebamme wollten wir erst recht jetzt noch nicht anrufen, so mitten in der Nacht - schließlich meinten wir ja von der ersten Geburt zu wissen, dass noch mindestens 10 Stunden vor uns lagen. Und während wir so redeten wurden die Wehen auf einmal sehr schnell sehr heftig.

Mein Versuch, eine im Vierfüßlerstand zu veratmen, scheiterte kläglich und auf einmal hatte ich das Gefühl, doch meine Hebamme anrufen zu wollen - vielleicht fünf Minuten waren seit dem Sinneswandel vergangen.

Mein Mann guckte etwas verdutzt ("Aber wir hatten doch gerade besprochen ..."), reichte mir aber natürlich das Telefon. Als die Hebamme dran war erzählte ich in Seelenruhe, dass wir Linnea bei meinen Eltern untergebracht hatten und dass ich vielleicht einen Blasensprung gehabt hätte, vielleicht aber auch nicht, weil sich das Lackmuspapier nicht verfärbt hatte - und dann musste ich unterbrechen, weil eine heftige Wehe kam, und ich reichte meinem Mann das Telefon und der wusste gar nicht, was er sagen sollte außer:

"Eigentlich hatten wir uns gerade drauf geeinigt, dich noch nicht anzurufen ..." Aber unsere Hebamme meinte, als sie mich während der Wehe hörte, sei ihr gleich klar gewesen, dass das nicht mehr lange gehen würde. "Ich komme!" Weg war sie, später erzählte sie uns, dass sie sich selbst das Zähneputzen verkniffen hätte und sofort ins Auto gesprungen sei.

Ich war froh, sie unterwegs zu wissen, denn mit einem Schlag fast waren die Wehen unmenschlich heftig geworden, heftiger als ich sie von der gesamten ersten Geburt kannte, und ich dachte nur: Wie soll ich das noch einige Stunden überstehen? Die Hebamme rief von unterwegs an: "Kocht schon mal Kaffee". Wir dachten, sie sei noch müde, sie dachte an den Dammschutz, den wir bald brauchen würden. Als mein Mann in die Küche gehen wollte, flehte ich ihn an, er solle da bleiben. Mittlerweile war es 20 vor 4 Uhr nachts, ich hatte noch keine Stunde Wehen, war fix und fertig von den Schmerzen, die Wehen jagten einander nun und mein Mann versuchte mir Mut zu machen:

"Vielleicht geht es beim zweiten Mal ein bisschen schneller und wir haben sie schon gegen sieben, dann können wir gleich frühstücken."

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