Eine Sponatgeburt aus BEL/Steißlage in Irland

Ich hatte am Mittwoch einen Termin zum Ultraschall, um zu sehen, wie es mit Deinem Wasserstand aussieht und alle waren verblüfft, denn das Wasser war komplett wieder da… Nicht Minimum, sondern kompletter Normalstand. Dein Daddy und ich freuten uns sehr, denn es gab uns noch eine Chance, dass wir Dich von außen drehen können.

Eine äußere Wendung. Nicht angenehm, aber wir wollten eben alles versuchen, damit Du Dich drehst für eine spontan Geburt (eine natürliche Geburt). Am Donnerstag hatte ich dann nochmals einen Termin, um alles durchzugehen für die Drehung am Freitag, den 07.07.2011. Ich sagte noch zu Deinem Daddy, dass der 07.07. ein schönes Datum wäre ;) .

Gut, da war ich nun am Donnerstag auf 14.30 Uhr bestellt, um mit dem Doktor zu sprechen. Gesagt getan, wir sind alles durchgegangen und dann habe ich ihm noch den Standpunkt unserer Entscheidung gesagt, dass Dein Daddy und ich im Falle des Nichtgelingens der Drehung, dem Kaiserschnitt widersprechen. Weil, wir haben so viel recherchiert und Deine Mommy ist sogar einem Breech-Club beigetreten (einem Beckenendlage-Club) und ich habe mich extrem eingesetzt und alles gelesen und angeschaut über Beckenendlagen.

Dabei bin ich auch auf ein Video von Karin Eckert gestoßen, eine Österreicherin, die in Australien lebt und auch eine Beckenendlage hatte und wie ich, eine natürliche Geburt wollte.

 

Leider ist es doch ein ordentlicher Kampf im heutigen System, weil eine Beckenendlage, vor allem bei Erstgebährenden ein KaiserschnittKaiserschnitt
Kaiserschnitt. Geburtshilfliche Operation bei der die Bauchdecke und die Gebärmutter Uterus geöffnet werden, um das Kind auf diesem Wege zu entbinden.
heißt. Dabei ist eine Beckenendlage eine andere Variation von Normal :) . So zurück zum Doktorgespräch:

Mein Doktor sagte, okay, er versteht meinen Standpunkt. Er selbst ist aus Deutschland und hat in einer Klinik gelernt, in der Beckenendlagen meist natürlich geboren werden. Und er sagte, dass wir den Widerspruch dann morgen ausfüllen, wenn die Drehung nicht geklappt hätte. Ich war glücklich, weil es hieß, dass es also doch klappt :D . Also wollte ich die Klinik verlassen.

Während des Gehens habe ich Deinem Daddy noch eine E-Mail geschrieben, dass morgen die Drehung stattfinden würde. Lächelnd lief ich die Treppen runter und hatte plötzlich ein extrem dringendes Gefühl auf die Toilette zu gehen. Und dann machte es WUSCH… und ich tropfte :D . Nein, ich habe mir nicht in die Hosen gemacht mein Stern. Die Fruchtblase ist geplatzt, wie im Film… eine echte Filmreife Szene. Du bist eben ein Star! Und das alles vor der Rezeption in der Klinik. Ich bin trotzdem schnell zur Toilette gelaufen, hab dann gleich Deinen Daddy angerufen und total begeistert und freudig gesagt „Schatz, mein Wasser ist gebrochen… kommst Du, es geht los!“

 

Dann bin ich zurück und ich konnte nicht aufhören zu lachen. Ich sagte immer und immer wieder „Du willst einfach nicht gedreht werden, was?“ Dann wurde ich aufgenommen. Das alles war um 16 Uhr.

Um 16.20 Uhr dann habe ich die erste kleine Wehe verzeichnet. Ganz harmlos :) . Um 16.45 Uhr kam dann Dein Daddy an und auch er freute sich und meinte „Soso, also der 07.07.!“. Aber das wäre eine echte Meisterleistung gewesen, dass war mir klar und ich sagte dann „Nein nein, der kleine Stern da drinnen ist so stur, dass er vermutlich um 1 Minute nach Mitternacht kommt, so dass es grad eben nicht der 07.07. ist!“ :D 

In Irland ist man zuerst ne ganze Zeit in der Aufnahme und dann kommt man in ein Zimmer. Wir kamen so gegen 18.30 Uhr in ein Zimmer. Und ich war am verhungern. Hatte bisher nur gefrühstückt. Also ging Dein Daddy was zum Essen besorgen. Die Wehen waren da bereits alle 4 Minuten:

Es ging doch recht schnell und um 21 Uhr hatte ich einen 2 Minuten Abstand zu den Wehen. dann musste ich liegen für ein CTG und da vergingen sie dann ein wenig. Ach so, ich bin davor ständig rumgelaufen, weil ich weiß, dass die Erdanziehung viel Kraft mit sich bringt. Die Hebamme schaute nach, wie weit mein Muttermund schon offen war und ich war gegen 23 Uhr dann 3 cm offen. Sie fragte mich, ob ich was gegen die Schmerzen wolle und ich verneinte. Schließlich wollte ich voll da sein für Dich.

Um Mitternacht war ich dann offiziell am „gebären“, wir kamen in den Kreißsaal und erst ab da gebärt man, wie die hier so sagen. Die Wehen wurden immer intensiver, aber um so intensiver, um so besser, denn das bringt mich näher zu Dir. Um 1 Uhr morgens checkten Sie dann nochmals wie weit ich war und ich war dann immer noch nur 3 cm, aber irgendwas war toll mit meinem CervixCervix
unterer Teil des Gebärmutterhalses
.

Ich konnte nicht sitzen oder Knien, ich musste laufen und stehen. Jede Wehe war heftig, aber im Stehen konnte ich sie ertragen. Um 3 Uhr morgens, also 2 Stunden später dann war ich 9 cm offen. Da Du ja mit dem Popo zuerst kommen wolltest, musste ich mich noch vollends gedulden bis der 10 cm komplett ist und das war dann so gegen 3.40 Uhr der Fall. Dann hieß es, ich solle der Natur freien Lauf lassen und dann voll ins Becken pressen, wenn ich das Bedürfnis dazu hätte. Dann kam sie, die ersehnte Presswehe, bei der ich das erste Mal pressen durfte. Und ich tat es und man sah bereits ein klein wenig von Deinem Popo. Das machte ich alles im Knien. Dann hieß es aber STOP!

Sie mussten mich umdrehen, weil ich dann von da ab, alles liegend machen musste. Mit meinem eigenen Hintern in der Luft, so dass, wenn Du kommst, Du quasi in der Luft hängst. Beckenendlagen-Babies dürfen nicht gehalten werden und schon gar nicht dran gezogen werden. Der Kreißsaal war plötzlich voller Menschen, alle wollten es sehen, weil es eine solche Seltenheit sei. Nur eine Hebamme bisher (die zum Glück auch bei mir war) hatte Erfahrung mit BEL-Geburten und die Diensthabende Ärztin ebenfalls. Eine ganz ganz liebe Frau, die sehr ruhig und geduldig war.

So, also, dann kam die nächste Presswehe und ich presste was das Zeug hält. Aber genau so, wie im Geburtsvorbereitungkurs gelernt, mit Ahhh’s und Ohhh’s Lauten beim Pressen, so dass das Kiefer locker bleibt. Dann machte es „Blup“ und Dein Hintern, deine Füße und dein kleiner Unterkörper waren da. Wieder gepresst und Deine Hände samt Schultern waren, mit Hilfe der Ärztin nun, da (hier darf der Arzt oder Hebamme eingreifen, weil sie sonst beim Köpflein wären, und das wäre dann ein besagtes Risiko der BEL-Geburt.

Nun ein etwas „unschöner“ Teil, aber da hingst Du nun, nur noch mit dem Köpflein in mir. Und ich musste bis zur nächsten Presswehe warten, die leider nicht wirklich kam. 1 Minute später kam dann eine nicht so heftige Wehe und ich presste was das Zeug hielt und es machte nur noch schwups und man legte mir den wohl schönsten Menschen, den ich je sah auf meine Brust.

Ich weinte, Du warst so wunder wunder wunderschön. Ich sah gar nicht, was Du nun bist, ob Junge oder Mädchen. Aber Dein Daddy rief laut „Ich wusste es!!!!“ und gleich als nächstes „Oh mein Gott, er ist so hübsch, er ist so schön!“ Aber da nahm man Dich mir ganz kurz weg, eben weil Du ein BEL-Baby bist, mussten sie Dich kurz checken. Aber der Check ging nicht mal 2 Minuten. Trotzdem weinte ich und sagte „Ich will mein Baby, was machen sie? Schatz geh hin, sie tun ihm weh…“

Aber natürlich tat man Dir nicht weh, Du kammst dann schwups wieder auf meine Brust zurück und dort fingst Du nach 20 Minuten an zu trinken. Das ließ mein Herz erneut anschwellen vor Glück und Emotionen. Und auf meiner Brust bliebst Du für 2 Stunden. So schnell ist die Zeit noch nie verflogen. Es war unglaublich, ja es war wie ein Traum. Immer und immer wieder sagte ich „Ich habe einen kleinen Menschen geboren!“

So eroberst Du also unser Herz mein Schatz… Am 08.07.2011 um 4.06 Uhr morgens mit stolzen 50 cm und 2.790 g. Mit dem Hintern zuerst… :D

Nach diesen 2 Stunden Bonding dann, hat man Dich angezogen und uns dann auf das Zimmer gebracht. 

Unser ganzer Stolz, unser Stern unsere Welt: