Ein doch nicht gewöhnlicher Morgen.

Unter den linken Arm ein glucksendes Baby geklemmt, schwinge ich mit der rechten Hand voller Enthusiasmus einen Mikrofaserlappen. Leider verursacht Mikrofaser auf Synthetik wesentlich mehr Reibung als Synthetik auf Küchentisch. Mein Söhnchen findet meine Versuche, wenigstens die gröbsten Verunreinigungen zu entfernen, zum wegschmeißen. Ich fluche.

„Hör endlich auf, in Gegenwart des Kindes zu fluchen!“, tönt mein Göttergatte aus dem Badezimmer.

 

Ich wundere mich eigentlich nur, dass er zu solch früher Stunde des Genitivs mächtig zu sein scheint. Kaum steckt er seinen Kopf zur Küchentür hinein, drücke ich ihm das Baby auf den Arm. „Brei!“, erkläre ich meinem Mann und verdrücke mich, um meine 30 Kilo Übergewicht in schwarze Stoffe zu hüllen.

 

Ich vermeide seit der Geburt bewusst das Wort „anziehen“, denn anziehend kann man Schwangerschaftsstreifen und Körbchengröße H nun wirklich nicht finden.

Kaum strecke ich meinen Kopf wieder zur Küchentür hinein, habe ich ein Baby auf dem Arm. Es hat einen besorgniserregenden Gesichtsausdruck:

Rote Haut, anschwellende Adern auf der Stirn und leicht krampfhaft nach unten gedrückt Mundwinkel. Dazu kommen Geräusche, die nach einer Mischung aus brünstigem Hirsch und Blasebalg klingen.

Resignierend wühle ich mich durch das Wäschechaos im Schlafzimmer und schaffe mir einen Trampelpfad zum Wickeltisch.

 

Kaum habe ich die Windel geöffnet und ihren leicht nach Karotte und Joghurt duftenden Inhalt mit kritischem Blick auf Konsistenz und Inhaltsstoffe hin überprüft, fasst mein herzallerliebster Sprössling den Entschluss, dass man diese Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen dürfte.

Zu Kotze und Katzenhaaren gesellt sich ein schicker dunkler Fleck Babyurin. Ich beschließe diesen Umstand zu ignorieren, alldieweil Babyurin relativ geruchsneutral ist, kaum Flecken macht und schnell trocknet.

Ein Blick auf die Uhr wirkt wie eine Mischung aus Faust im Magen und doppeltem Espresso mit zwei Esslöffeln Zucker.