Nicht für mich..

Als ich wiederkomme ist die Suppe kalt und ... riecht nach nassem Hund.

Ich löffele widerwillig Suppe und mein Sohn widerwillig Pastinake mit Kartoffel.

Ja, als junge Mutter von heute weiß man, was eine Pastinake ist. Außerdem weiß man, warum sie der Möhre in jeder Hinsicht vorzuziehen ist.

 

Man weiß, auf welchem Biostand auf dem Wochenmarkt man die frischsten Exemplare erstehen kann und außerdem noch wie man sie babygerecht zubereitet.

Noch vor einem Jahr hätte ich die Pastinake wahrscheinlich für einen ungarischen Volkstanz aus dem 18. Jahrhundert gehalten.

Meine undankbare Nachkommenschaft hat inzwischen den Breilöffel mit seinen kleinen Fuchtelärmchen schon drei Mal so erwischt, dass dieser, den Hebelgesetzen Folge leistend einen Salto Mortale schlagend im hohen Bogen einmal in seinem Gesicht, einmal auf meiner Hose und einmal im Spinatauflauf meines Tischnachbarn gelandet ist.

 

Meinem Sohn ist das piepegal. Der hält Muttermilch nach wie vor für das einzig Essbare auf diesem Planeten. Dass ich voll Liebe und Hingabe stundenlang in der Küche gestanden und geschnippelt, gekocht, püriert, abgefüllt, eingefroren und geputzt habe, interessiert ihn nicht wirklich. Auch nicht, dass ich inzwischen mühelos über Babyernährung promovieren könnte.

Er ist von oben bis unten mit Brei beschmiert und ich über und über mit kleinen weißen Sprenkeln übersäht. Inzwischen brüllt er den Löffel an.

 

Meine Mitmenschen lässt das selbstverständlich nicht kalt. Ein missbilligender Blick auf unseren Tisch, dann eine virenverseuchte (vermutlich seit Tagen nicht gewaschene) Hand, die das zornesrote Babyköpfchen tätschelt. „Tröste dich, Kleiner. DAS da würde ich auch nicht essen.“ Ich spüre wie heißer roter Dampf aus meinen Ohren quillt ,und beschränke mich darauf eisige Giftpfeile mit den Augen zu verschießen.

Zwei Minuten später kann jeder Student, der um 12.30 Uhr in der Mensa an der Hauptkasse sein Mittagessen bezahlt, erfahren, was Körbchengröße H wirklich bedeutet.

Auf dem Nachhauseweg schleppe ich auf dem Zahnfleisch kriechend das friedlich im Tragetuch schnarchende Kind durch die Straße.