Vitamin A und Beta Carotin: viel hilft nicht immer viel!

Zwischen 1970 und 1980 wurden zahlreiche Studien durchgeführt, um die Brauchbarkeit von Beta Carotin in Verbindung mit Lebensmitteln und seine Aktivität im Körper zu untersuchen. Besonders Anfang der 80er Jahre erlebte Beta Carotin dann einen wahren Boom: Man vermutete, dass es vor Krebs schützt. Und tatsächlich fand man heraus, dass Beta Carotin eine antioxidative Wirkung hat. Es entwickelte sich ein blühender Handel mit Vitaminzusätzen, die Beta Carotin enthielten. Sogar als "Rauchervitamin" zur Vorbeugung von Krebs wurde es empfohlen.


Ein Versprechen, das das Beta Carotin nicht halten konnte. In mehreren großen Studien erhielten Raucher über mehrere Jahre Beta Carotin, Beta Carotin im Gemisch mit anderen Vitaminen oder ein Scheinpräparat, ein sogenanntes Placebo. In keiner dieser Untersuchungen hatte Beta Carotin einen Schutzeffekt. Bei Rauchern war entgegen der Erwartung die Häufigkeit von Lungenkrebs und Todesfällen im Zusammenhang mit Erkrankungen des Herzkreislaufsystems sogar erhöht. Die Studie wurde abgebrochen.

 

"Viel hilft viel!" ist die Überzeugung von so manchem Vitamin-Verfechter. Dass Vitamine in Überdosen aber durchaus auch Nebenwirkungen haben können, ist vielen Verbrauchern nicht bewusst. Gerade fettlösliche Vitamine, die im Körper lange gespeichert werden, können sogar gefährlich sein. Beispiel: Vitamin A.

Vitamin A bzw. Retinol ist nur in tierischer Nahrung enthalten. In Pflanzen finden sich nur Carotinoide. Diese Provitamine können teilweise vom Menschen zu Vitamin A umgewandelt werden. Das wohl bekannteste Carotinoid ist Beta Carotin. Es kann in zwei Vitamin-A-Moleküle umgewandelt werden.


Unter unseren Lebensmitteln haben Leber, Butter und Eigelb einen besonders hohen Gehalt an Vitamin A. Auch Seefische weisen sehr viel Vitamin A auf. Fischfressende Säugetiere wie beispielsweise der Eisbär haben aus diesem Grund in ihrer Leber solch hohe Vitamin-A-Gehalte, dass Polarforscher oder Eskimos deren Verzehr vielfach mit schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Lebervergrößerungen büßen mussten.

Im Extremfall endete die Überdosierung tödlich.
Hierzulande wurden in den Nachkriegsjahren viele Kinder mit Lebertran "gequält", der viel Vitamin A und D enthält. Man wollte einen Vitaminmangel unbedingt vermeiden. Als leichte Nebenwirkungen wurden etwa Hornhautschäden beobachtet.
Heutzutage kann eine Überdosierung mit Vitamin A nur in Einzelfällen bei übermäßigem Verzehr von tierischen Produkten - besonders Leber - auftreten. Bei einer ausgewogenen Ernährung ist eine Vitamin-A-Vergiftung nicht zu erwarten.

Seit 1946 wird Vitamin A künstlich hergestellt, die Vorstufe Beta Carotin (Provitamin A) seit 1954. Vitamin A (chemische Bezeichnung: Retinol) wurde zunächst in relativ hohen Dosierungen verkauft. Bei dauerhafter Einnahme hoher Dosen traten aber zunehmend Leberschäden auf.

Mitte der 60er Jahre häuften sich dann Hinweise darauf, dass Vitamin A in der Schwangerschaft zu Missbildungen führen kann.

 Der freie Verkauf des Retinols wurde auf kleine Dosen beschränkt. Größere Mengen gibt es seither nur noch auf Rezept.


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