Ohne weiteren Kommentar von mir!

Kommentar:

Zynische Hilfestellung

Annette Dohrmann ist Redakteurin im Testressort.


Irgendwie sind wir Eltern ja selber schuld, dass so ein - pardon - Mist auf den Markt kommt.
Schließlich orientieren sich die Unternehmen streng an unseren Wünschen. Behaupten sie jedenfalls, beispielsweise Nestlé. So umfangreich wie keiner zuvor habe der Konzern im Jahr 2005 ungefähr 2.000 Mütter nach ihren Ansprüchen an Babynahrung befragt. Was dabei herauskam? Na, Trinkmahlzeiten unter anderem.
Natürlich glauben die Hersteller dieser hochkalorischen Zuckerbrühen nicht wirklich, dass wir uns fettleibige Kinder mit karieszerfressenen Zähnen wünschen. Im Gegenteil: Sie wollen uns doch nur helfen. Angesichts unserer knappen Zeit, unserer zunehmenden Mobilität, im komplizierten Spagat zwischen Kindererziehung und Berufsalltag. Die Zielgruppe sind also nicht unsere Kinder, sondern wir Eltern.

Den Unternehmen vorzuwerfen, dass sie Geld verdienen wollen, wäre naiv. Dass sie es aber auf so schamlose Weise tun, nämlich auf Kosten der Kleinsten, deren Zähnchen gerade durchbrechen und deren Verdauungssystem noch nicht komplett ausgereift ist - das ist ihnen ganz massiv vorzuwerfen.
Und wenn die gesamte Branche dann noch über ihre Internetauftritte ihre Kompetenz in Sachen Babygesundheit und Qualitätsanspruch preist, ihr Engagement zur besseren Aufklärung in der Bevölkerung zum Thema Gesundheit und Ernährung rühmt und beispielsweise Kampagnen gegen die "Volkskrankheit Übergewicht" fährt (woher kommt das bloß?), ja, dann wird es meiner Ansicht nach wirklich zynisch.

Hipp hat zwar nach der massiven Kritik seine Trinkmahlzeiten vom Markt genommen, und es bleibt zu hoffen, dass der Rest der Branche nachzieht. Dennoch bleibt auch oder gerade bei der Firma Hipp ein flaues Gefühl zurück: Warum hat ein Unternehmen, das so hohes Vertrauen bei Eltern genießt, überhaupt solche Produkte auf den Markt gebracht?

Quelle: Ökotest Mai 2008

Anmerkung von mir: Sie sprechen mir aus der Seele!