Baby-Anfangsmilch: Eine Babymilch ist „mangelhaft"

Stiftung Warentest (Junii 2016)

Bei einem Test von Baby-Anfangsmilch ist eines der preiswerteren Produkte im Test auch das Beste und punktet darüber hinaus mit einer guten Schadstoffbilanz. Insgesamt schneiden acht Säuglingsanfangsnahrungen „gut“ und sechs „befriedigend“ ab, ein Produkt ist aber „mangelhaft“. Hier fanden die Prüfer erhöhte Schadstoffgehalte. Veröffentlicht ist die Untersuchung in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift test und unter www.test.de/babymilch.

Neben elf Fertigmilchprodukten der Kategorie Pre schickten die Warentester auch vier Produkte für allergiegefährdete Babys ins Labor. Sie werden als Pre HA, Hypoallergene Anfangsnahrung verkauft. Alle Pulver im Test sind gut zusammengesetzt, sie haben ähnliche Rezepturen. Trotzdem gab es Qualitätsunterschiede, die mit vermeidbaren Schadstoffen zusammenhängen.

Eine Babymilch von Rossmann fällt wegen der bedenklichen Menge an Glycidyl-Estern im Test durch. Hieraus wird während der Verdauung das wahrscheinlich krebserregende Glycidol freigesetzt. Eine gesetzliche Höchstmenge gibt es noch nicht, solche Mengen sind aber vermeidbar. Drei weitere Baby-Milchprodukte, davon zwei Bio, schneiden „befriedigend“ ab, weil sie vermeidbare Schadstoffe enthielten, allerdings nicht in bedenklicher Menge.

Eine Milch ist „gut“ und günstig: Sie kostet Eltern nur 28 Euro im Monat. Für den „guten“ Testsieger zahlen sie pro Monat mit 32 Euro nur etwas mehr. Wer Milch für allergiegefährdete Babys sucht, zahlt für die beiden besten Produkte 90 bzw. 53 Euro im Monat.

Der ausführliche Test Baby-Anfangsmilch erscheint in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift test (ab 24.06.2016 am Kiosk) und ist bereits unter www.test.de/babymilch abrufbar.

3 Fragen an Dr. Jochen Wettach, Projektleiter

  • Bekommt ein Baby überhaupt alle Nährstoffe, die es braucht, wenn es mit Babymilch anstatt Muttermilch gefüttert wird?

Wir haben bei allen Produkten im Test die nötigen – und übrigens auch vom Gesetzgeber genau vorgeschriebenen – Nährstoffe gefunden, die Babys für ihre Entwicklung brauchen; etwaige Mangelerscheinungen sind also nicht annähernd zu befürchten. Allerdings hatte keines der Produkte die allerneuesten wissenschaftlichen Ernährungsempfehlungen schon vollständig umgesetzt (z.B. im Hinblick auf die langkettigen Fettsäuren aus Fischölen). Unabhängig davon ist ohnehin Muttermilch das Allerbeste für ein Baby. Die Vorteile des Stillens gehen aber weit über die Frage der Nährstoffe hinaus: Hier kommen Vorteile zum Tragen, die z.B. von der Förderung des Immunsystems bis zur emotionalen Mutter-Kind-Bindung reichen.

  • Wie ist die Schadstoffbilanz des Tests einzuschätzen?

Schadstoffe haben wir leider in allen Produkten gefunden. Bedenklich sind hier insbesondere die bei der Fettraffination entstehenden krebsverdächtigen Stoffe 3-MCPD- und Glycidyl-Ester. Leider sind diese gegenwärtig noch nicht vollständig vermeidbar; sie lassen sich jedoch immerhin minimieren. Hier sind in den vergangenen Jahren Fortschritte zu verzeichnen und die Hersteller sollten hier nicht nachlassen. Nicht verschweigen sollte man, dass auch Muttermilch alles andere als schadstofffrei ist. Doch auch die Belastung der Muttermilch mit einer Reihe von bedenklichen langlebigen Schadstoffen, die sich im Körper anreichern, ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken.

  • Sie haben neben gewöhnlicher Säuglingsanfangsnahrung auch hypoallergene Babymilch getestet. Wann sollte diese gefüttert werden?

Wenn z.B. ein Elternteil unter einer Allergie leidet, kommt hypoallergene Säuglingsanfangsnahrung ins Spiel. Hebammen und Kinderärzte beraten hier gerne in jedem Einzelfall. Aber auch in puncto Allergievorbeugung ist Stillen das Beste für das Baby.