Möchten Sie nicht stillen, haben Sie die Qual der Wahl unter den Herstellern.
Wir gehen mal davon aus, dass die Qualität der Produkte nichts zu wünschen übrig lässt.
Allerdings ist das keine Garantie meinerseits, weil ich auf Fremdinformationen angewiesen bin. Zudem gibt es immer wieder Rückrufaktionen, die mich auch verunsichern.
Auf dieser Seite finden Sie einige Infos, die vielleicht bei der "Nahrungssuche" helfen können.
Leider können Sie sich nicht auf das Personal im Krankenaus verlassen. Die Kenntnisse der Schwestern und Kinderärzte sind zu häufig von den Empfehlungen der Hersteller geprägt und werden nur selten bei unanbhängigen Fortbildungen erworben. Das gilt leider auch für viele Kolleginnen von mir.
Pre-Nahrung
Darunter versteht man eine Milch, die für ein Neugeborenes am wenigsten belastend sein soll. Sie kann wie Muttermilch, nach Bedarf gefüttert werden. Es gibt zwar auf den Packungen Mengenangaben, aber die sind den Kindern ziemlich egal. Sie können jederzeit mehr geben, wenn die Menge nicht ausreicht. Trinkt Ihr Baby mal weniger, müssen Sie es nicht stopfen. Es wird sowieso das "Zuviel" wieder ausspucken.
Es sind relativ wenig Kohlehydrate enthalten, also macht sie nicht dick. Darum sollten Sie diese Milch so lange wie möglich geben. Bei Wachstumsschüben auch mehr und öfter. Prenahrung kann man das ganze erste Jahr füttern, ohne einen Nährstoffmangel befürchten zu müssen. Acht Monate lang wäre sie alleine ausreichend, aber dann sind die Kinder auch bereits im Beikostalter und bekommen entsprechende Zusatznahrung.
Mengen Sie bitte niemals Verdickungsmittel bei oder womöglich Schmelzflocken! Das gilt für jede Babymilch!
Die 1er Nahrung
Die zugesetzte Stärke macht zwar satt, enthält aber keine weiteren wichtigen Nährstoffe. Also nimmt das Kind unter Umständen, weil das natürliche Hungergefühl unterdrückt wird, sogar weniger Nahrung und Flüssigkeit zu sich als es eigentlich bräuchte. Außerdem werden durch die Fütterung von zusätzlicher Stärke Fettzellen angelegt, die zwar noch "leer stehen", sich aber im späteren Leben füllen können und somit Übergewicht begünstigen können. Dazu kommt, dass diese Milch den Herstellen mehr Freiraum für Zusätze lässt. Verändern Sie auch hier bitte niemals das Mischungsverhältnis!
Hersteller von Muttermilchersatznahrung, nicht aber Fachgesellschaften!!! empfehlen nach dem vierten Monat die Anfangsmilch durch Folgemilch zu ersetzen. Mit steigendem Alter des Säuglings benötigt er jedoch eigentlich weniger Kohlenhydrate (=Stärke) pro kg Körpergewicht, wodurch sie nur mästend wirkt. Des Weiteren ist Folgemilch nur noch teiladaptiert und somit schlechter verträglich für den Säugling
Beispiel Muttermilch, an deren Zusammensetzung altersgemäße Ernährung sich orientieren sollte:
Im ersten Lebensjahr des Kindes ist ihr Kohlehydrategehalt fast konstant. Also besteht kein Grund, zusätzliche Stärke zu füttern. Erst ab dem 2. Lebensjahr steigt der Kohlehydrategehalt der Milch, aber da kann man idealerweise den erhöhten Bedarf dann mit gesünderen Kohlehydraten decken, die dann auch weitere wichtige Nährstoffe enthalten.
HA-Nahrung
Diese Form der Ernährung ist für allergiegefährdete Kinder gedacht. Es macht überhaupt keinen Sinn sie "einfach so" zu geben.
Ist ein Elternteil, oder sogar beide mit Allergien belastet, ist das Risiko sie zu vererben hoch. Es wird aber die Veranlagung vererbt, nicht die Allergie selber.
Sprechen Sie mit Ihrer Hebamme.
HA-Nahrung enthält auch Milcheiweiß, das aber sehr verändert wurde, damit der Körper es sozusagen nicht merkt.
Sollte bei Ihrem Kind eine echte Milcheiweißallergie bestehen, muss man auf Spezialnahrungen ausweichen. Die gibt es nur in Apotheken und wird vom Kinderarzt verschrieben.
Ich habe hier einen Text von Ökotest für Sie ungekürzt kopiert:
Gefährdet sind vor allem Kinder aus allergisch vorbelasteten Familien. Ob ihnen Allergien erspart bleiben, hat auch mit der Ernährung im ersten Lebensjahr zu tun. Eines ist unumstritten: Der beste Schutz vor Allergien ist, Säuglinge in den ersten sechs Monaten voll zu stillen. Bei gestillten Kindern vermindert sich nämlich die Allergiehäufigkeit um etwa die Hälfte gegenüber Kindern, die mit Kuhmilch ernährt wurden.
Für allergiegefährdete Babys, die nicht gestillt werden können, ist die so genannte hypoallergene Säuglingsnahrung gedacht, auch HA-Nahrung genannt. Im Gegensatz zu den normalen Produkten sind in der HA-Nahrung die Kuhmilcheiweiße in kleine Bruchstücke gespalten. Damit soll der Darm des Kindes überlistet werden: Denn die kleineren Eiweißstücke erkennt er nicht so schnell als fremdartig. Sie passieren die Darmwand ungehindert.
Im Rahmen der GINI-Studie (German Infant Nutrition Intervention Programme), an der drei deutsche Kinderkliniken mit etwa 2250 Säuglingen beteiligt waren, wurden stark und schwach aufgespaltene HA-Nahrungen im Vergleich zu normaler Kuhmilch getestet. Nach dreijähriger Studienzeit zeigte sich, dass eine schwach aufgespaltene hypoalergene Molkenahrung sowie eine Spezialnahrung auf Caseinbasis das Neurodermitisrisiko um bis zu 50 Prozent senken können. Stark aufgespaltene Molkenahrung zeigt den Studienergebnissen zufolge keine allergievorbeugende Wirkung.
Wie gut die HA-Nahrungen Allergien vorbeugen können, hängt jedoch auch davon ab, ob in der Familie des Kindes eine Neurodermitis vorliegt. Leiden Eltern oder Geschwister selbst nicht an Neurodermitis, sondern "nur" an Heuschnupfen oder anderen Allergien, scheinen schwach aufgespaltene HA-Nahrungen auf Molkeproteinbasis und eine zur Therapie entwickelte Nahrung mit stark aufgespaltenem Casein den stärksten Effekt zu haben. Tendenziell stimmt das auch für die Gruppe, in der mindestens ein Elternteil oder ältere Geschwister Neurodermitis haben. Hier waren die Wirkungen aber nicht so ausgeprägt und nur das Caseinhydrolysat hatte einen statistisch signifikanten Effekt.
Nach diesem Erkenntnisstand hält der Münchner Mediziner und Ernährungsexperte Professor Berthold Koletzko die HA-Nahrung für die beste Alternative - nach der Muttermilch. "Bei den Eltern darf aber nicht die Hoffnung geweckt werden, mit HA-Nahrungen könnte man Allergien völlig vermeiden. HA-Nahrungen wirken nur vorbeugend und können die Häufigkeit von allergischen Reaktionen vermindern. Das allerdings lohnt sich durchaus."
Wir haben 15 HA-Nahrungen genauer unter die Lupe genommen. Professor Koletzko hat für ÖKO-TEST die Studien ausgewertet, welche die Hersteller uns zu ihren HA-Produkten schickten.
Das Testergebnis
Fünf HA-Nahrungen haben im Test mit "sehr gut" abgeschnitten - allesamt Produkte des Hauses Nestlé.
Prof. Koletzko zufolge lassen die von den Herstellern vorgelegten Studien nur vermuten, dass das untersuchte HA-Produkt zur Vorbeugung von Allergien taugt. Lediglich für die Nestlé-Produkte Alete H.A. und Beba H.A. kommt Koletzko zu dem Ergebnis, dass sie "hinsichtlich ihrer allergiepräventiven Effekte und der Sicherheit der Nährstoffversorgung in sehr umfangreicher und angemessener Weise charakterisiert sind, die weit über das Ausmaß der Dokumentation bei den Mitbewerbern hinausgeht".
In ihrer Zusammensetzung sind alle Produkte gut geeignet, das Ernährungsbedürfnis von Babys zu decken.
Ein Speziallabor hat für uns analysiert, wie stark aufgespalten die Eiweißbruchstücke tatsächlich sind. Die Eiweiße in den HA-Produkten der Firma Hipp sind sehr stark verändert. Das gilt auch für Aptamil HA 1 und Aptamil HA 2 von Milupa. Im überwiegenden Teil der Testprodukte ist der Hydrolysegrad, also der Anteil der veränderten Eiweiße, "mittel". Gerne hätten wir uns bei dieser Beurteilung nach dem von der EU formulierten Grenzwert gerichtet. Der legt fest, dass die Menge der "Immunreaktionen hervorrufenden Eiweiße höchstens ein Prozent der Anfangsnahrung" betragen darf. Doch nicht nur wir haben Schwierigkeiten, das zu verstehen. Auch Hersteller und Ernährungsexperten sind ratlos, was nun genau die Eiweiße sind, die Immunreaktionen hervorrufen und was eigentlich "Anfangsnahrung" bedeutet. Zudem kann niemand sagen, dass unterhalb einer Menge von einem Prozent garantiert keine Allergien auftreten. Daher haben wir weder den Grenzwert zur Beurteilung herangezogen noch unsere Laborbefunde von "sehr stark", "stark", "mittel" oder "schwach" bewertet.
In sieben Marken steckt Glucose, also Traubenzucker. Er ist ein Bestandteil des Milchzuckers. Koletzko lehnt gesüßte Muttermilchersatzprodukte nicht generell ab, da ja auch die Muttermilch süß ist und Milchzucker enthält.
Anmerkung von mir:
1.Um die Ergebnisse korrekt darstellen zu können, stehen hier nun doch Firmennamen.
2. Über das Statement zu Glucose, kann man durchaus geteilter Meinung sein
Spezialnahrungen sind laut Ökotest wenig sinnvoll und verhindern weder Blähungen noch das Spucken Ihres Babys.
Mir ist völlig klar, dass sich diese Empfehlungen von der gängigen Vorgehensweise unterscheiden, aber hier wirbt auch kein Hersteller für Kindernahrung.
Bitte lesen Sie unbedingt dazu auch diese Stellungnahme Flaschennahrung Beikosteinführung
Weitere Fragen dazu können Sie auch in meinem Forum stellen