Rasur, Einlauf, Braunüle, CTG und Dammschnitt bei der Geburt

Rasur
Eine Rasur ist schlicht nicht nötig. Der Schambereich muss nicht rasiert werden, nur für den Fall, dass vielleicht ein Dammschnitt nötig wird, oder Verletzungen auftreten. Mit oder ohne Haare ist die Infektionsgefahr gleich niedrig. In vielen Krankenhäusern wird das nicht mehr routinemäßig gemacht. Sie müssen das nicht über sich ergehen lassen, wenn Sie es nicht möchten.

 

Einlauf
Der ist noch immer sehr üblich, aber nicht in jedem Fall nötig. Viele Frauen haben vor der Geburt Durchfall, und der Darm ist sowieso leer. Ein Einlauf bringt dann gar nichts. Ist er aber voll, kann er durchaus von Vorteil sein, weil viele Frauen sich dann besser fühlen, und nicht so viel Angst haben etwas zu beschmutzen. Wir nehmen ihn manchmal zur Hilfe, um Wehen anzuregen.
(Berufsgeheimnis;-) )

 

Braunüle
So nennt man einen dünnen aber relativ festen kleinen Plastikschlauch, der in eine Vene geschoben wird. Das Argument dafür ist, dass notfalls schnell etwas gespritzt werden kann. Dagegen spricht, dass er ziemlich stören kann, und auch bei längerer Liegezeit eine Infektionsquelle sein kann.

 

CTG
Das kennen Sie schon aus der Schwangerschaft. Mit dem Cardiotokographen werden die Herztöne des Kindes dokumentiert, und Ihre Wehen registriert. Ob es wirklich nötig ist, während der ganzen Zeit ständig an dieses Gerät angeschlossen zu sein, wird inzwischen heiss diskutiert. Jedenfalls in Fachkreisen. Sicher ist er eine große Hilfe, wenn irgendetwas auffällig ist. Aber es reicht auch zumindest eine zeitlang, wenn in regelmäßigen Abständen "kontrolliert" wird. Leider ist die Angst vor Klagen oft größer, als der Mut, diese Technik sinnvoller einzusetzen. Ich habe am eigenen Leib erlebt, dass es auch Nachteile gibt. Den Daten des Gerätes maß ich manchmal mehr Bedeutung bei als den Angaben der Frauen. Außerdem ist nachgewiesen, dass es mehr Fehleinschätzungen produziert als man denken sollte. Vielleicht fühlen Sie sich aber mit der Kontrolle sicherer, dann nehmen Sie den "Service" ruhig in Anspruch.

 

Dammschnitt
Pro und Contra Dammschnitt ist seit Jahren ein "Heißes Eisen".
Ich bin nicht feige, und schreibe hier mal auf, was so meine Beobachtungen und Erfahrungen mir sagen.
Eingeführt wurde er, damit bequemer genäht werden konnte, und zur Vermeidung einer späteren Gebärmutter- und Blasensenkung. Das wurde damals einfach mal so behauptet. Die Vorstellung war, so eine Art "Lifting" des Beckenbodens zu erreichen. Das haben nicht die Hebammen erfunden, sondern die, denen das vielleicht zu Gute kam, nämlich Männer....Schön straff, auch nach einer Geburt... grrr! Das war wirklich so, ich habe es erlebt.
Natürlich gab es auch das Argument, dass ein Schnitt besser heilt. Inzwischen sind viele Jahre vergangen, und die Theorie von der vermeidbaren Senkung hat sich nicht bestätigt. Gymnastik vor nach der Geburt ist da mindestens genau so effektiv.
Was bleibt ist die Heilung.
Ich kann nicht sagen, dass Risse schlechter heilen. In meiner Arbeit sehe ich schlecht heilende Schnitte, gut heilende Risse und umgekehrt. Ich würde auch heute noch bei meinen Hausgeburten lieber schneiden, bevor ein großer Riss entsteht. Aber kleinere Verletzungen nehme ich ganz bewusst in Kauf, weil die wirklich meistens besser verheilen. Es sollte der Hebamme überlassen bleiben, zu entscheiden, ob ein Schnitt gemacht werden muss oder nicht. Dabei kommt es unter anderem auch ganz entscheidend auf die gute Zusammenarbeit zwischen Hebamme und Gebärenden an, auf die Beschaffenheit des Bindgewebes, ob Sie Dammmassage gemacht haben, und das Können der Kollegin.