Stillen und Familienbett schützt die Kinder

Viele andere, neuere Studien sprechen dagegen. Vor allem ein in der Diskussion um die Vermeidung von SIDS-Risiken bislang oft vernachlässigter Punkt ist hier maßgeblich:  die schützende Wirkung des Stillens. Mehrere Studien konnten belegen, dass Stillen das SIDS-Risiko um 20 bis 50 Prozent (!) senkt (3).

Weitere Studien konnten belegen, dass Co-sleeping die Stillquoten erhöht und in diesem Sinne dazu beiträgt, vor dem plötzlichen Kindstod zu schützen (4). Dies ist für Deutschland besonders interessant, da hier nur 10 Prozent aller Babys die von der WHO dringend empfohlenen 6 Monate gestillt werden (5).

In neueren Studien konnte außerdem gezeigt werden, dass Co-Sleeping nicht nur indirekt durch Erleichterung des Stillens dem plötzlichen Kindstod vorbeugt, sondern auch direkt vor SIDS schützen kann (6). Gestillte Kinder im Familienbett werden signifikant häufiger intuitiv in Rückenlage gebettet, aus der heraus sie am leichtesten nachts in Stillposition gebracht werden können. Unbewusst regulierten die Mütter durch sanfte Berührungen bei ihren Babys die Schlaf-Körpertemperatur der Babys und verhinderten so intuitiv einen Haupt-Risikofaktor: Überhitzung.

Schlafen Säuglinge nachts bei ihren Müttern, sind die Bewegungen von Mutter und Kind aufeinander abgestimmt, sie wachen beide häufiger auf und verbringen mehr Zeit in aktiven Schlafphasen (= schlafen weniger tief) im Vergleich zu getrennt schlafenden Mutter-Kind-Paaren. Die noch unzureichende Fähigkeit des Säuglings, aus dem Schlaf zu erwachen, wurde in einigen SIDS-Untersuchungen als Todesursache vermutet.

Lange Tiefschlafphasen verschlimmern diese unzureichende Fähigkeit unter Umständen. McKenna nimmt deshalb an, dass die psychologischen Gegebenheiten beim gemeinsamen Schlaf von Mutter und Kind, insbesondere wenn das nächtliche Stillen hinzukommt, manchen Babys helfen, nicht in einen gefährlichen - weil zu tiefen Schlaf - zu fallen.

Dafür spricht auch die Tatsache, dass in Kulturen wie Japan oder Hong-Kong, in denen Co-sleeping ebenso selbstverständlich ist wie das junge Mütter weder rauchen noch Alkohol trinken, im internationalen Vergleich mit den niedrigsten SIDS-Raten überhaupt aufwarten können (7).

Nora Wohlfahrt

 

 

Die umstrittenen Studienergebnisse Carpenters

werden seit ihrer Veröffentlichung kontrovers diskutiert, Epidemiologen kritisieren den Aufbau der Studie, insbesondere die geringe Auswahl von Kindern sowie die Tatsache, dass sie aus 15 von ihren sozialen und gesundheitlichen Standards nicht vergleichbaren Ländern stammen.

Die WHO-/Unicef-Initiative „Babyfreundliches Krankenhaus“ legt in einer Erläuterung ihrer Haltung zum Thema Bed-Sharing dar, dass durch die kleine Gruppe in der Studie fragliche Ergebnisse erzielt wurden: So wurde in Carpenters Studie beispielsweise ein erhöhtes SIDS-Risiko für Kinder nicht verheirateter Eltern ermittelt, das mit einem Faktor von 1,79 sogar noch über dem in der Studie ermittelten Risiko für nicht rauchende mit ihren Kindern in einem Bett schlafende Mütter liegt (1,61).

In einer anderen Studie zum Thema Co-Sleeping, bei der 325 SIDS-Fälle in England mit einer Kontrollgruppe von 1300 Kindern verglichen wurden, konnte ausdrücklich keinerlei Risikoerhöhung durch Co-Sleeping bei nicht rauchenden Eltern festgestellt werden (2) .

Die Frage ist also: Ist es gerechtfertigt, aufgrund dieser unsicheren Datenlage in den ersten sieben Lebenswochen allen Eltern vom Co-Sleeping abzuraten?

Nora Wohlfahrt