...am frühen Morgen schon eine Geburt

Ich war, wie jeden Tag, unterwegs um meine Hausbesuche zu erledigen. Der erste Termin war bei einer Zweitgebärenden geplant, die in den nächsten Tagen ihr Baby bekommen sollte. Sie war noch umgezogen, und wir wollten eigentlich nur noch "Kleinkram" klären. Wegen des 18 Monate alten Sohnes, wollte sie ambulant entbinden, und nichts deutete auf das hin, was uns alle erwartete.
Ich kam also an, nur mit ihren Papieren unter dem Arm, und wunderte mich nicht wenig, dass die Etagentür einen Spalt offen war. Vorsichtig klopfte ich an und hoffte, keinen Einbrecher zu stören oder so etwas in der Art .....Aber dann rief Frau X :"Schneeeeeeeeeeeeelllllllllllllllllllllllll!", und ich stürzte rein. Das Bild, was sich mir bot, sehe auch ich nicht alle Tage. Frau saß auf dem Boden im Wohnzimmer, Kind stand stumm daneben und guckte so verschreckt wie ich dann auch. Sie fing an zu pressen, ich rief blöd :"Warte"........ohmann...und sie jammerte dass ihr neuer Teppichboden ruiniert sein wird!!!
Lange blöd gucken, ist nicht hilfreich, und ich bin auch eher der zupackende Typ.
Also warf ich die Papiere in die Ecke, und fragte ob sie es noch schaffe sich im Vierfüßlerstand zu bewegen. Das ging ganz gut, und sie krabbelte ins Badezimmer. Der Teppich war gerettet!! In der Zeit verfrachtete ich den "Großen" ins Kinderzimmer, wo er natürlich nicht bleiben wollte. Na gut, war auch egal in dem Moment. Ich flitzte ins Bad, und zwei Wehen später war das Baby da.
Kind auf den Bauch der Mutter, Handtuch drüber...es ging allen gut. Der Große staunte Bauklötze, und ich rannte zum Auto, um meine Utensilien zu holen. Eigentlich lasse ich selten alles im Wagen, weil man ja doch immer mal etwas brauchen könnte. Naja...ich konnte dann abnabeln, mich um die Plazenta kümmern und alle ins Bett bringen.
Wir waren alle etwas überfahren von der Situation und mussten zunächst begreifen, was da gerade passiert war. Mir gelang das dann doch relativ schnell, und deswegen fiel mir dann ein, dass wir vielleicht mal den Papa anrufen sollten. Der war eine gute Stunde vorher aus dem Haus gegangen, und etwas ärgerlich als seine Frau ihn störte. Natürlich nicht lange, und er tauchte auch in Rekordzeit auf.
Sie erzählte mir dann, wieso wir diese ungeplante Hausgeburt erleben durften.
Seit einigen Tagen hatte sie immer wieder etwas Wehen gehabt, aber am Tag vorher war sie noch zur Vorsorge und der Befund für eine Zweitgebärende unauffällig. Kurze Zeit, nachdem der Ehemann aus dem Haus war, hatte sie zwei kräftige Wehen. In der Gewissheit, dass ich käme, meinte sie, mich nicht anrufen zu müssen, und verschwendete auch keinen Gedanken daran, einen Krankenwagen zu rufen. Wer hätte dann auf das Kind aufgepasst und außerdem dauert es sicher noch, dachte sie. Aber als sie merkte," igendwas stimmt nicht", hat sie noch daran gedacht, die Tür zu öffnen. Erstaunlich fand ich!
Langweilig ist der Beruf Hebamme nie!!